Die Heimspiele haben begonnen

26.04.2013 - von Carsten Zeck - 

Mann oh Mann; in diesem Jahr war der Winter wirklich ein ausdauernder Gast. Noch vor kurzem waren sämtliche Bäume und Sträucher komplett kahl. Auch wenn wir uns wahrscheinlich alle nach Wärme sehnen; etwas Positives hat die ganze Sache. Wir befinden uns Ende April immer noch in einer sehr guten Zeit. Die Welse sind wahrscheinlich noch mehrere Wochen von der Laichzeit entfernt und alle, die bisher noch keine Zeit gefunden haben, um ihren ersten Ansitz in der Heimat durchzuführen, können beruhigt aufatmen. Das große Fressen hat in „Good Old Germany“ zwar bereits begonnen, aber es ist noch nicht zu spät, um wahre Sternstunden zu erleben.
Mein erster Ansitz in der Heimat liegt etwa drei Wochen zurück. Ich besuchte meinen Freund Philipp an seinem Hausgewässer in der südlichen Bundesrepublik. Wir hatten gleich drei Tage stationäres Angeln anvisiert. Am ersten Morgen gab es noch Frost und die Stimmung erinnerte eher an eine Wintersession als an einen April-Trip. Wobei, Aprilwetter hatten wir irgendwie schon. Allerdings bewegten sich die Außentemperaturen am Tage um 5 bis 10, anstatt um 15 bis 20 Grad herum. Und gegen etwas weniger Dauerregen hätte ich auch nichts einzuwenden gehabt. Aber egal, der erste Biss kam relativ zügig und der erste deutsche Walli für 2013 war das Resultat – yes! Und wie ging es weiter? Sehr ärgerlich: Ein Fehlbiss und zwei Aussteiger (wovon ein Fisch mit Sicherheit sehr ordentlich gewesen wäre) sorgten dafür, dass der Einstand in der Heimat doch nicht so gut ausfiel, wie zunächst erhofft.
Anfänglich hatte das Wasser 7,5 Grad. Fast zwei Grad erwärmte es sich während des Trips. Vier Kontakte waren ok, die Quote ließ aber leider zu wünschen übrig. Naja, that‘s fishing. Trotzdem hat mir die Tour mit Philipp sehr gut gefallen und die Lust am Angeln in der Heimat wieder neu entfacht.

Da aufgrund der Tour einiges an Arbeit liegen blieb, galt es in den darauffolgenden Tagen am Schreibtisch, Gas zu geben. Ich wusste, dass durch die Gründung eines eigenen Unternehmens einiges auf mich zukommen würde. Trotzdem muss ich manchmal staunen, wie viel Zeit manche Dinge fressen. Aber Hauptsache es geht immer weiter und momentan sind wir noch voll im Soll.
Nach einem kurzen Besuch im Ausland stand die nächste Messe an. Da ich dafür komplett durch die Bundesrepublik in den „tiefsten Osten“ musste, kam mir die Idee, diese Tour doch einfach mit einer Kurzsession an den dort gelegenen Flüssen zu verbinden. Oder, Spree, Elbe, Saale, Mulde, Warnow, Unstrut… unzählige Fließ- und auch einige Stillgewässer machen den Osten für mich mehr als interessant. Ich sehe blühende Wallerbestände:-) und das bereits jetzt!
Zusammen mit meinem Freund Christian, der vor Ort wohnt, besuchten wir gleich zwei Flüsse. Auch wenn man aufpassen muss, dass man sich nicht verläuft, liebe ich einfach die Abwechslung und bin immer hungrig nach neuen „Bächen“. Zwei Angler, zwei Nächte, zwei Gewässer, zwei Fische - Soll erfüllt.

Ein, zwei Tage später: Bayern und Dortmund haben in der Champions League gezeigt, was die Deutschen so drauf haben. Ausgerechnet  gegen die Spanier. Werden wir das womöglich beim Wallerangeln auch noch erleben? Nun gut, dass die deutschen Welsangler, den spanischen, zumindest zahlenmäßig, haushoch überlegen sind, ist klar. Doch was ist mit den Gewässern? Natürlich ist der Ebro eine Hausnummer, aber wie sieht es mit der Anzahl der Flüsse und Seen aus, die unsere Lieblinge beherbergen? Ich glaube, da haben wir mehr zu bieten. Und wenn ich mir anschaue, was momentan Woche für Woche aus dem Rhein kommt, brauchen wir uns noch nicht einmal größenmäßig zu verstecken. So etwas in der Kategorie wie „Maya“ gibt es am Ebro schließlich auch nicht allzu häufig. Apropos Größe: Wisst ihr was? Vor der Haustür haben die Fische für mich irgendwie einen anderen Stellenwert. Den Spruch „deutsche Waller zählen doppelt“, kennen wahrscheinlich viele und einige werden jetzt vielleicht etwas schmunzeln. Aber ganz ehrlich: Meiner Meinung nach, liegt sehr viel Wahrheit in diesem Satz. Was musste ich schon kämpfen, um in der Heimat überhaupt an Fische heran zu kommen. Wie viele Sessions vergingen, um am Hausgewässer endlich die 190-Zentimeter-Marke zu durchbrechen und den Streckenrekord zu knacken. Im Ausland habe ich schon Fische von 195 cm ohne Foto zurückgesetzt. In Deutschland war mir dieser Wels so wichtig, dass ich jeden 240cm + in Frankreich, Italien oder Spanien dafür ohne Foto schwimmen gelassen hätte. Ich für meinen Teil habe das Gefühl, dass mich irgendetwas mit meinen Heimatwallis verbindet. Meine Hauptaugenmerk lag bisher auch nicht unbedingt darauf, einen 2m+Burschen in Deutschland zu erwischen, sondern eher bei der Erreichung bestimmter Ziele an einem bestimmten Gewässer oder aber der Erkundung möglichst vieler deutscher „Wallerreviere“. Wobei ich aber sagen muss, dass in diesem Jahr auf jeden Fall die 2 auch in Deutschland mal vorne stehen muss. Zwei unterschiedliche „Masterpläne“ gibt es dafür, doch das ist wieder ein anderes Thema.
Zurück zur letzten, spontanen Aktion. Die beiden Fußballabende, die ich zusammen mit guten Freunden (natürlich auch Wallerangler :-) ) in der Kneipe und bei Sören zuhause verbrachte, waren jeweils gute Ausklänge für die arbeitsintensiven Bürotage dieser Woche. Gestern Abend fuhren Sören und meine Wenigkeit dann noch zu Rainer, um gemeinsam zu grillen und die nächste Tour zu besprechen. Solche Zeiten sind echt Balsam für die Seele und auf jeden Fall besser, als spätabends vor dem Fernseher einzuschlafen. Sören hatte Baguette, Würstchen und Fleisch dabei; ich mein Angelzeug. Wer meine Berichte regelmäßig verfolgt, weiß, dass ich absoluter Vollmond-Fan bin. Weiterhin war es in den Tagen zuvor, richtig schön warm (kein Vergleich zu dem bisherigen Frühlingswetter). Außerdem kam noch hinzu, dass an diesem Samstag und Sonntag eine Messe auf dem Programm stand und die Wetterdienste, Regen und einen Temperatursturz meldeten. Eins und eins waren folglich schnell zusammen gezählt. Neben der Tatsache, dass das der letzte Tag war, an dem ich raus konnte, rochen die äußeren Bedingungen förmlich nach Waller.
Etwas unhöflich verschwand ich direkt nach der Nahrungszufuhr von der „Grillung“. Nichtangler hätten mir so etwas wohl nie verziehen. Aber die ganze Sache war ja auch für etwas gut. Sieben Stunden effektive Angelzeit blieben mir – und mein Plan ging auf.

Dass der Schwierigkeitsgrad von Selbstauslöserfotos proportional mit der Größe der Fische ansteigt, zeigt die nächste Aufnahme. Aber irgendwie bekommt man meistens ja zum Glück doch noch zumindest ein „vorzeigbares Foto“ auf die Reihe.

Der letzte Streich kam dann beim Einpacken: Wohlgenährt, schön gefärbt und ziemlich wehrsam. Sehr häufig habe ich das Gefühl, dass die deutschen Wallis kampfstärker sind, als ihre europäischen Kollegen. Ist beim Fußball ja ähnlich. Preisfrage: Was gibt es noch für Gemeinsamkeiten mit der Ballsportart? Antwort: Schmutzige Wäsche! Wobei ich hierbei einem verschleimten Hoody ganz eindeutig den Vorzug gegenüber einem verschwitzen Trikot gewähre:-).

Vier Bisse und drei Waller: Das hat gepasst. Was wäre das Leben nur ohne diese Kurzansitze in der Heimat? Ich befinde mich gerade in einem Hotel (morgen früh beginnt die Hausmesse) und tippe diesen Text hier. Meine Hände sind verschrammt und das Grinsen steht immer noch in meinem Gesicht. Klar, es waren nicht die größten Exemplare…aber es waren deutsche – und die zählen ja bekanntlich doppelt;-).

Achso, bevor ich es vergesse: Auch wenn selbsternannte Naturschützer (eine Gruppe von Outdoor- und Menschenfeinden mit Vorliebe für Masseneinschläferungen von Haustieren und Werbeaktionen mit botoxaufgepumpten und silikongefüllten Promi-Damen) uns zurzeit weiß machen wollen, dass wir Catch&Release-Anhänger alles Tierquäler sind… ihr wisst ja, wo unsere schleimigen Freunde hin gehören, auch in Deutschland… 

Auf die Heimspiele 2013,
Euer Carsten