Kaltstart zu Ostern

12.04.2013 - von Carsten Zeck -

Ich konnte es kaum noch erwarten. Nach der ganzen Arbeit im Büro musste ich endlich wieder raus. Mehrere Trips wurden aufgrund diverser Termine schon gestrichen. In der Osterwoche sollte es nun endlich soweit sein. Die erste Tour für das Frühjahr stand an. Thommy und meine Wenigkeit planten einen Schlauchboottrip. Wir wollten da fischen, wo andere üblicherweise vorbei fahren. Eine „ekelhafte Dickicht-Tour“ also. Bereits im Vorfeld machten wir uns auf viel Arbeit gefasst und packten die Machete, die Astschere und den Klappspaten (der sowieso immer dabei ist) ein. Natürlich hantieren wir damit nur sehr vorsichtig. Ganze Bäume sind selbstverständlich tabu. Weiterhin schleppten wir mehrere Ersatzkanister Benzin mit uns mit. Dadurch waren wir sehr flexibel. Durch die beiden 3m+ Schlauchboote konnten wir überall einfahren und aufgrund des großen Treibstoffvorrates waren selbst „Move-Aktionen“ von mehreren Stunden kein Problem. Selten habe ich bei einem Trip mehr gearbeitet. Insgesamt 20 Stunden „Gartenarbeit“, sowie 10 Stunden auf dem Schlauchboot zeigten, dass man sich seine Fische manchmal hart erkämpfen muss. Außer auf einem Platz waren wir fast immer gezwungen, unsere Montagen umzulenken. Bäume, Pfeiler und Bojen halfen uns dabei. Selten habe ich so abenteuerlich gefischt und auch selten so viel gefangen. Anfangs waren die Fische durch das Hochwasser in totaler Fresslaune. Wir fingen wie „bekloppt“. Leider vergriff sich aber zumeist der Kindergarten an unseren Ködern. Stichwort Köder: Auch diese mussten „hart erfeedert“ werden. Während ich zumeist für die Platzwahl und dessen Herrichtung zuständig war, übernahm Thommy beim Köderfischfang das Zepter. Trotz der eher schwierigen Verhältnisse für die Friedfischjagd war unser Setzkescher immer gut gefüllt. Das war schon mal die halbe Miete.
Später, als das Hochwasser ablief, wurden die Welsbisse seltener. Im Vergleich zu den Vortagen war nicht mehr wirklich viel los. Grund dafür war wohl auch ein heftiger Temperatursturz. Halten wir mal fest: Ablaufendes Hochwasser + Temperatursturz in einem kühlen Frühjahr… nicht gerade ideale Bedingungen. Trotzdem machten wir das Beste aus der Situation. Es galt, die ruhigen, tiefen Bereiche zu suchen. Auf diesen Standplätzen erhielten wir weiterhin Attacken. Insgesamt war die Tour zwar ein echter Knochentrip, aber sie machte enormen Spaß. Abends wusste man, was man getan hatte und die viele Arbeit kam darüber hinaus noch meiner Diät zu gute. Drei Kilogramm Winterspeck kostete meinen Körper die Tour. Ist ja immerhin auch ein Erfolgserlebnis :-)
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Eines vermisst ihr jetzt bestimmt: Die Kracher. Ich will nicht lange um den heißen Brei herum reden: Es gab in dieser Woche keinen einzigen Fisch über 2 Meter Länge. Jedoch hatten wir einen Burschen drauf, der diese Marke wahrscheinlich locker hinter sich gelassen hätte. Die neue Schnur, die ich nach den guten Trockentests unbedingt auch mal in der Praxis testen wollte, gab aber nicht das her, was sie im Vorfeld versprach…. Vielleicht war es aber auch einfach nur ein dummer Zufall - der Schnurbruch vermieste uns auf jeden Fall gehörig den letzten Tag. Sei es drum, mal gewinnt man, mal verliert man…wobei ein Reißen der Hauptschnur aber gerade für den Fisch, mit das schlimmste ist, was einem passieren kann.
So traten wir die Heimreise ohne Kapitalen an. Und soll ich euch mal was sagen: Es ist zu verkraften. Welsangeln besteht nicht nur aus dem Fangen von Riesen. Großfische sind immer wunderbar, doch nicht bei jeder Tour zwingend nötig. Klar fange ich gerne Big Ones, jedoch freue ich mich auch über kleinere Fische. Jeder Walli ist etwas Besonderes und gibt mir Kraft für mein weiteres Angeln. Solange man alles gibt und der Plan aufgeht, sollte man zufrieden sein. Und solange man keine langanhaltende Pechsträhne hat, ist es gar nicht so schlimm, auch mal ohne die ganz großen Burschen im Fangbuch eingetragen zu haben, nach Hause zu fahren. Es ist mir einfach wichtig, so etwas einmal zu sagen. Das soll jetzt keine Entschuldigung für meine Tour sein, sondern euch einfach zeigen, dass es auch bei mir nicht immer funktioniert. Der ein- oder andere Cathunter sollte sich meine Worte zu Herzen nehmen und das Lächeln auch bei „normalen Welsen“ auspacken. Selbstverständlich sind Großfische nämlich nur für Illusionisten… die gibt es in unserer Szene zwar auch, es kann aber nicht schaden, wenn sich die Aufmerksamkeit wieder etwas mehr auf die Dinge verlagert, die wirklich zählen: Die gemeinsame Freude am Draußensein und am Fangen von Fischen – auch wenn diese nur einen Bruchteil von 100 Kilogramm wiegen.


So, und jetzt hoffen wir alle, dass sich die Temperaturen so langsam ein wenig an die Jahreszeit anpassen. Es ist nämlich doch etwas angenehmer, wenn man den „ innerlichen Joke“ nicht mehr verwenden muss, bevor es ans Wasser geht.

Auf die bevorstehenden Frühjahrstrips!

Euer Carsten