Manchmal soll es nicht sein

18.07.2013 - von Jan Lehmann -

Am vergangenen Wochenende wollten Marco und ich mal wieder unsere heimischen Gefilde unsicher machen und den einen oder anderen Waller auf die Matte legen.
Leider war unser neues Boot noch nicht einsatzbereit, sodass wir uns für eine Schlauchboottour entschieden.Die beiden Nächte fischten wir an zwei unterschiedlichen und für uns neuen Abschnitten, welche gut 20 Kilometer voneinander entfernt waren.
Freitagnachmittag bezogen wir Spot Nummer eins und bereits beim Aufbauen der Boote gab es das erste Desaster. Mein Schlauchboot verlor durch einen etwa zwei Zentimeter großen Riss an einer Kammer Luft. Leider hatte ich es über den Winter in meiner Garage mehrfach unsanft hin und her geschoben und dabei sicher irgendwann den Schaden verursacht. Somit entschieden wir uns dazu an dieser Stelle, welche im Übrigen eine sehr interessante Struktur hatte, zu bleiben und die erste Nacht zu fischen. Mit Marcos Boot suchten wir gemeinsam vier vielversprechende Spots mit möglichst unterschiedlichem Charakter, um die Ruten so gut wie möglich zu streuen. Auch ist es oftmals unser Ziel, sowohl Strukturen stromauf wie stromab zu befischen und neben der, an kleineren Flüssen sehr beliebten, „Anbinderei“ der Posenmontagen auch die U-Pose zum Einsatz zu bringen. Alles in Allem gelang dies an diesem Spot sehr gut und wir waren guter Dinge.

Doch wie das in solchen Situationen oftmals so ist, verging die im Sommer schon recht kurze Nacht noch viel schneller und wir saßen am kommenden Morgen bei einer Tasse Kaffee vor unseren Ruten und rätselten warum in der Nacht keinerlei Aktion zu verzeichnen war. Nicht verzagen, sondern Moven hieß jetzt die Devise.
Mein Schlauchboot war in der Zwischenzeit auch wieder super geflickt und somit machten wir uns mit den Autos auf, um den zweiten Abschnitt zu erkunden. Einen Zwischenstopp legten wir aber noch an einem kleinen Dorfteich ein, der es jedoch in sich hatte. Innerhalb von zwei Stunden konnten wir 15 sehr gute, zum Teil kapitale Karauschen und Brassen fangen und waren somit köderfischtechnisch bestens für die zweite Nacht gewappnet.
An einer Eisenbahnbrücke stellten wir unsere Autos ab und beluden die Schlauchboote um die ca. zwei Kilometer bis zum Spot auf dem Wasser zurück zu legen. Der Vorteil an diesem Bereich war, dass man ihn nicht mit dem Auto erreicht und somit kaum Angeldruck herrscht. Dort angekommen, erkundeten Marco und ich eine gute Stunde den Bereich auf der Suche nach guten Spots. Diese Nacht musste unbedingt was gehen. Wir waren einfach zu fischhungrig. In aller Ruhe genossen wir im Anschluss den Nachmittag mit Baden und Sonne und warteten bis sich der Sportbootverkehr gelegt hatte, damit wir endlich sicher die Ruten ausbringen konnten. Gegen 20:30 Uhr war es dann endlich soweit und die Fallen waren scharf. Mit Adleraugen beobachteten wir Ruten und Wasser, damit sich nichts unserer Wahrnehmung entziehen konnte. Jeden Moment ist es soweit, gleich schlägt der erste ein, dachten wir fortlaufend.
Aber es sollte auch diese Nacht nicht so sein. Völlig unangetastet holten wir am nächsten Morgen die Montagen ein. Ratlosigkeit machte sich breit. Sofort mussten wir uns absichern, denn der Fehler kann ja nicht bei uns liegen. Alles wäre denkbar, nur das nicht! Nein, mal im Ernst, man zweifelt ja mitunter auch an sich und durchdenkt nochmal sein gesamtes Vorgehen um vielleicht doch irgendwo eine gravierenden Patzer zu finden, der für den Misserfolg verantwortlich ist. Ein Ausschlusskriterium ist tatsächlich noch der Vergleich der Fangquoten mit denen von Kollegen, die zur gleichen Zeit am selben Gewässer unterwegs waren. Und genau das machten wir, da Freunde von uns, einige Kilometer entfernt, ebenfalls eine Nacht gefischt hatten. Und auch bei denen war es eine leider fischlose Nacht. Als Ursache ist vermutlich, die bei uns andauernde Laichzeit zu sehen, die sich aufgrund der Wetterkapriolen der vergangenen Wochen nach hinten verschoben hat. Also packten wir ein und steuerten zielstrebig auf das letzte Highlight dieses Wochenendes hin. Die Jungfernfahrt unseres neuen Wallerbootes.

Die Ausbauten waren zwar noch nicht fertig, aber Motor und Steuerstand bereits montiert und so wollten wir eine erste Testfahrt wagen, um zu sehen wie alles läuft. Was soll ich sagen? Nur fliegen ist schöner! Wir waren absolut begeistert, was der 60 PS Mercury in Verbindung mit dem 5,70 m langen K-Maxxi XXL so leistet. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei knapp 60 km/h und die Fahreigenschaften suchen im Segment der Flachbodenboote, wie wir Wallerangler sie bevorzugen, ihres Gleichen. Platztechnisch ist das Boot mit 2,10 m Breite ein absolutes Raumwunder und die sehr massive, jedoch mit 280 kg Eigengewicht sehr leichte, Bauweise rundet das Paket perfekt ab. Somit hatten wir am Ende dieses Wochenendes doch noch ein Erfolgserlebnis.
Abschließend möchte ich sagen, dass wir alle natürlich immer auf Erfolg in Form von möglichst kapitalen Fängen aus sind. Jedoch ist Erfolg ein Gesicht mit vielen Facetten und diese zu erkennen und zu erfahren ist viel wert. Leider erlegt man sich aufgrund des vorherrschenden medialen Trends im Angelsektor einen gewissen Erfolgsdruck auf. Im Hinblick auf die Vermeidung von Stillstand im Sinne von fehlender Weiterentwicklung der eigenen Fähigkeiten hat dies auch seine positiven Seiten. Aber man sollte den Blick fürs Wesentliche nicht verlieren und immer im Hinterkopf haben, dass viele Faktoren, die am Wasser für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sind, von uns kaum beeinflusst werden können.

Deswegen, habt Spaß an dem was ihr tut und geht die Sache locker an.

Bis zum Biss…Jan