Maya - Das Wintermärchen

15.03.2013 - von Carsten Zeck -


Karpfenangler geben ihren Fischen oftmals Namen. Ein komischer Trend, dachte ich zumindest in meiner anglerischen Anfangszeit. Als ich in den letzten Jahren durch meine ganzen Messebesuche aber immer mehr Einblicke in diese Szene gewann, wurde mir so einiges klar. Warum sollte man einem markanten Karpfen keinen Namen geben? Egal, ob wegen der Größe oder einer besonderen Eigenart. Abseits des Angelns reden wir über unsere Partnerinnen ja auch, indem wir ihre Vornamen benutzen und nicht irgendeine Körpergröße oder gar eine Kilozahl (am besten schnell weg von dem Gedanken). Auch beim Welsangeln ist zu beobachten, dass besondere Fische, teilweise von den Fängern Namen bekommen. Knubbelche, Rackham, Hausmeister und Co. haben es in meinen Augen auch verdient mit einem Namen gewürdigt zu werden. Solche Fische sind zumeist die Könige in ihren Gewässern und wer es schafft, diese „Majestäten“ zu überlisten, sollte auch die Berechtigung der Namensvergabe besitzen, sofern das zuvor noch nicht geschehen ist.
Genau dieses Glück hatte ich bei meinem letzten Wintertrip auch. Ich war zwar eigentlich nie Fan von dem Namenskult, aber bei diesem Fisch konnte ich einfach nicht anders…

In den Wochen vor der Wintersession musste ich so einiges in die Wege leiten. Meine Entscheidung, mich mit einer eigenen Produktrange selbstständig zu machen, war gefallen und um einen reibungslosen Start dieses Vorhabens zu ermöglichen, musste ich zuerst mal meinen Plan bis zu einem gewissen Punkt abarbeiten. Zum Glück verlief alles reibungslos. Ich lernte ganz wichtige Kontaktpersonen kennen, die mittlerweile zu echten Freunden wurden und auch meine langjährigen Kumpels unterstützen mich, wo es nur ging. Ich kann wirklich nur von Glück reden und bin unendlich dankbar, so einen tollen Freundeskreis zu besitzen. Trotz des guten Starts meiner unternehmerischen Tätigkeit, fehlte mir irgendetwas. Zeck-Fishing kann nur dann erfolgreich sein, wenn ein Carsten Zeck auch regelmäßig am Wasser ist. Dieser Grundsatz hat sich bei mir von Anfang an, fest eingebrannt. Auch wenn zukünftig enorm viel ansteht, will ich trotzdem weiterhin versuchen, viel Zeit am Wasser zu verbringen. Nur so können wir in Punkto Produkttauglichkeit besser werden, als die Konkurrenz es ist. Unabhängig von diesem Aspekt war das Verlangen nach einem Angeltrip aber wirklich wieder bis in nahezu Unermessliche gewachsen. Wer mich kennt, kann sich wahrscheinlich denken, wohin es im Dezember gehen sollte. In den letzten fünf Jahren verbrachte ich alle Geburtstage, Weihnachtsfeste und Jahreswechsel in Spanien. Ich machte es den Zugvögeln gleich und flüchtete dorthin, wo das Klima in der kälteren Jahreszeit noch etwas erträglicher und die Wassertemperaturen in der Regel wärmer sind.
Der Riba Roja Stausee in Spanien bietet für mich die perfekten Bedingungen, um dem "spätdezemeberlichem Alltag" zu entfliehen. Natürlich startete ich den Trip nicht alleine. Auch wenn es nicht einfach ist, zu dieser Zeit, Mitfahrer zu finden, machten wir uns letztendlich zu dritt auf den Weg nach Spanien. Jedes Jahr hatte ich neue Angelpartner. Dieses Mal war es zum einen Thommy, ein Anfänger in Sachen Welsangeln. Ihn durfte ich im Sommer kennen lernen. Ein wirklicher netter Typ, der mir mittlerweile in vielen Bereichen eine große Hilfe geworden ist. Außerdem war auch Roman mit am Start. Ihn lernte ich bei einem meiner Guiding Seminare am Po kennen. Einige Wochen zuvor war er mein Gast und hatte das Vergnügen einen 234 cm langen Hochwasserbüffel bändigen zu dürfen.
Die Ausgangststation hieß dieses Mal Fishing-Lodge-Mattarrana (www.fishing-lodge-matarrana.com). Andy, der Betreiber dieses kleinen aber feinen Camps, das sich auf einem überaus gepflegten Campingplatz befindet, begrüßte uns herzlich und versprühte sofort eine enorme Gastfreundschaft. Nach einem kurzen Smalltalk, machten wir uns sofort auf den Weg zum ersten Angelplatz. Durch meine ganzen Wintersessions in den vergangenen Jahren weiß ich mittlerweile genau wie der See in dieser Jahreszeit tickt und wie man seinen Giganten auf die Schliche kommt. Über die erfolgreiche Herangehensweise könnte ich wahrscheinlich eine Doktorarbeit schreiben. Da das allerdings den Rahmen dieser Seite sprengen würde, gibt es hier die wichtigsten Tipps auf einen Blick. Bei näheren Fragen könnt ihr mich natürlich auch gerne direkt kontaktieren.

Interessantester Winterbereich des Riba Roja: Altes Zementwerk bis Staumauer Zwischenstau

Montage: Festbojensystem (aufgrund der kantennahen Hindernisse = einzige Montage, die einsetzbar ist)

Feinheiten Festbojenmontage: Raschelsack mit ca. 20 kg Steingewichten; starke Auslegerleinen (stärker als Hauptschnur) von 25 - 30 m Länge; Ausleger mit zwei Armen: ein kurzer mit kleinem Einhänger zum Befestigen der 0,35 - 0,40 mm starken Auslegerleine + ein etwa 25 cm langer mit einem großer Karabiner mit glatter Oberfläche (über ihn wird, bis zum Ausklinken des Fisches, gedrillt)

Montagenfeinheiten: qualitatiiv hochwertige Hauptschnur von mindestens 0,60 mm Durchmesser; Posengtragkraft 350 g; Bleigewicht 300 g; Vorfachlänge 1 - 1,5 m; Vorfachmaterial: 1,2 mm Mono (ggf. Kombirig); Haken: Einzelhaken 8/0; Drilling 3/0 (beide sehr stark); bester Köder: Karpfen und Zander (Schwanzköderung)

Rute: mindestens 3,00 m Länge mit straffer Aktion und ordentlichem Rückgrat

Rolle: robuste Stationärrollen oder Multis mit mindestens 200 m Schnurfassung

Erfolgreichste Tiefen: 18 bis 24 m

Präsentationstiefe des Köders: 0,5 bis 1,5 m über Grund

Tip: Montagen breit Fächern, angefangen von der ufer- und hindernissnahen Kante bis hin zur Seemitte – die Welse ziehen zum Fressen durch den kompletten See (Achtung: Bootsverkehr)

Diese Tour werde ich mit Sicherheit nie vergessen. Einzig und allein, um ein wenig am Laptop zu arbeiten, musste ich ab und an ins Camp. Bis auf diesen kleinen Wehrmutstropfen hat alles andere jedoch gepasst. Für einen Wintertrip fingen wir atemberaubend gut. Ganze 20 Waller standen letztendlich auf unserer Habenseite. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das ein Top-Winterergebnis ist. Schließlich waren wir ja wirklich nur ein Team. Lediglich als uns mein guter Freund Sven Dombach besuchte, waren für wir drei Tage zu viert und splitteten uns in zwei Teams auf. Platzwechsel standen in der Regel alle zwei Tage an. Schlechtere Pätze verließen wir häufig auch bereits nach der ersten Nacht. Auf fängigen hingegen blieben wir auch schon mal drei Tage. Bewegung ist auch im Winter wichtig. Besonders wenn, wie bei uns, die Wassertemperaturen über 8 Grad betragen und die Fische aktiv fressen. Um die Möglichkeit zu haben, an möglichst viele Großfische heran zu kommen, müssen wir zum Fisch und nicht umgekehrt. Auch in einem großen Stausee haben Waller ihre festen Reviere und legen nur bestimmte Wegstrecken zur Nahrungsaufnahme zurück.
Noch nie verging ein zweiwöchiger Trip schneller. Die allabendlichen Gespräche waren einfach fantastisch. Es wurde viel gelacht, aber auch ernstere Dinge kamen zur Ansprache. Während eines längeren Wintertrips hat man viel Zeit zum Nachdenken. Ich persönlich setzte während dieser Zeit in jedem Jahr einige Grundsteine in meinem Kopf, die sich später oftmals als enorm wichtig herausstellen.
Das Überlisten von Großfischen ist gewiss nicht alles. Gerade in der heutigen Zeit fixieren leider zu viele Angler ihren Fokus einzig und allein auf das Fangergebnis. Alles andere wird ausgeblendet. Eigentlich schade, sind es doch die vielen kleinen Stücke des Mosaiks Wallerangeln, die den Reiz letztendlich ausmachen. Einige von euch werden jetzt vielleicht etwas verwundert sein. Geht es nicht in genau diesem Bericht um einen besonderen Großfisch? Ja, das stimmt! Es ist mir aber enorm wichtig, diese Zeilen vor dem, was jetzt kommt, nieder zu schreiben. Eventuell könnte ansonsten nämlich der Verdacht auftauchen, dass ich auch nur "Dicke" bzw "Lange" im Kopf habe. Aber eines kann euch versichern: Es ist nicht so. Ich liebe alle Facetten des Welsangelns und die "Big Ones" sind zwar geil aber längst nicht alles!
So, das wäre gesagt, jetzt kann also der Teil des Textes kommen, der ihm auch seinen Namen verliehen hat. Es geht dabei um einen ganz besonderen Fisch, den Fisch meines (bisherigen) Lebens. Um die ganze Sache etwas anschaulicher zu gestalten, steige ich mit ein paar Sätzen ein und lasse danach überwiegend die Bilder für sich sprechen. Die kommende Fotostory bildet somit den Abschluss dieses Berichtes. Also, let the show begin:

21.12.2012 – in der kommenden Nacht wollten wir auf einer ganz besonderen Stelle fischen, wo ich schon einige große Wallis überlisten konnte. Im Jahre 2009 kam hier mein damaliger Personal Best mit 238 cm. Am Neujahrstag 2010 überlistete ich dort einen bulligen Fisch mit 223 cm. Im Vorjahr verhalf ich einem ahnungslosen Spanien-Anfänger zu drei Großfischen zwischen 220 und 230 cm – ebenfalls auf diesem Platz. Die klare Referenzstelle befindet sich am Fuße einer steilen, überaus stark mit Totholz gespickten Kante. Genau an diesem Platz präsentierte ich meinen Zander, den ich kurz zuvor beim Vertikalangeln fing und so schnell wie möglich anköderte. Ich hatte ein ziemlich gutes Gefühl. Dieses Gefühl verabschiedete sich aber leider relativ schnell. Gegen Abend kam nämlich Wind auf - viel Wind, um es noch detailierter zu beschreiben. Das Problem an diesem Platz ist, dass sich das Ufer durch einen Knick im Verlauf des Ebros genau auf der windzugewandten Seite des Sees befindet. Bisher war es jeden Tag relativ ruhig und genau jetzt musste dieser blöde Sturm auftauchen. Ich hatte einen riesengroßen Hals. Schon drei Tage waren wir hier. 3 Fische bis 194 cm standen bislang auf unserer Habenseite. Gemäß unseres Abwechslungsprinzipes war ich mit Drillen an der Reihe. Alles schien perfekt, alles außer dem Wind. Der ein- oder andere wird jetzt vielleicht denken: Was hat denn der Carsten gegen Wind? Im Prinzip nichts, ich durfte sogar schon wahre Sternstunden während heftigen Sturmtagen erleben. Aber hier am Ebro ist nun mal alles ein bisschen anders. Durch das Bojenfischen und die großen Wellen, die auf der weiten Wasserfläche entstehen, hüpfen die Köder über Grund unnatürlich hoch und runter. Weiterhin pfeifen die Schnüre ohne Ende. An eine vernünftige Bisserkennung ist bei den sachten Winterattacken ebenfalls nicht zu denken. Zu allem Übel schlägt auf diesem Platz das Aluboot auch ständig gegen das steinige Ufer, was ebenfalls Krach ohne Ende verursacht. Im schlimmsten Fall wird es sogar durch die Wellen bis zum Rand mit Wasser gefüllt. Dieses "Vergnügen" hatten wir im Vorjahr.
Ich erinnerte mich an das Datum: der 21.12.2012…war da nicht irgendetwas?…Genau! An diesem Tag sollte doch laut des alten Indianervölkchens Maya die Welt untergehen. Na toll, jetzt wurde mir so einiges klar. Ne, Spaß beiseite. Ich bin vermutlich der letzte, der an solche Ammenmärchen glaubt. Aber leicht schmunzeln, musste ich schon. Mit einer ordentlichen Portion Frust im Bauch schaffte ich es dann irgendwie doch, einzuschlafen. Möge diese Nacht nur vorbei gehen, dachte ich mir.
Einige Stunden später: Ich wurde wach. Was ist denn das? Der Wind war weg. Sofort wanderten meine Mundwinkel wieder leicht nach oben: Na also, wir sind wieder im Spiel. Kurz darauf kam dann auch schon der erste Biss. Die Spitze meiner Favoritenrute schlug kurz aus. Ok, er hat ihn. Dann wanderte sie langsam nach unten - um kurz darauf wieder langsam nach oben zu kommen. Wieder so ein ultravorsichtiger Winterbiss. Oftmals sind das gerade die großen Fische, die so mit dem Köder spielen. Einige Sekunden später verneigte sie sich erneut. Zeit für den Anhieb. Als wir mit dem Boot zum Kontrahenten fuhren, merkte ich leider, wie der Fisch ausstieg. So ein Mist. Kurz den Köder kontrolliert - der sollte noch passen - und dann wurde er wieder hinunter in die Tiefen des Ebros gelassen. Sollte ich in dieser Nacht noch eine zweite Chance bekommen? Ja, ich sollte. Nach zwei Stunden wiederholte sich das Szenario, so als hätte jemand auf „repeat“ gedrückt. Ich bin mir sicher, dass es genau der selbe Fisch war, der auch zuvor biss. Nur dieses Mal saßen die Haken besser und der Tanz konnte beginnen...

18 Minuten Gegenhalten was das Zeug hält, lautet die
Devise. Mir war bewusst, dass da
 etwas ganz großes
am Haken hängt.

Eigentlich bin ich ja kein Freund des Rauchens.
Diese Siegerzigarre musste
 aber einfach sein,
nachdem wir den Fisch endlich hatten.

And here she is: 255cm lang, wahrscheinlich weit
über 100 Kilo schwer... 
...mein Traumfisch 
Maya!

 

Maya in voller Länge. Noch nie zuvor habe ich einen Fisch mit solchen Ausmaßen gesehen. Womöglich aktueller Spanien-Rekord? Auch Thommy bekam die Kampfkraft der spanischen Winterriesen zu spüren. Er kam des Öfteren in den Genuss, harter Drills... Bei ihm fiel ein PB nach dem anderen. Hoffen wir mal, dass er als Anfänger damit klar kommt. Die Zukunft
wird es zeigen.

 

Auch beim Zanderangeln lief es richtig gut. Die Abendstimmung am Ebro ist einfach fantastisch. An Heiligabend fingen wir gleich drei Kracher.

 

Bei der Anzahl an 2m-Fischen war die Spiegelreflex permanent im Einsatz. Über den ein- oder anderen kleinen Burschen freuten wir uns aber natürlich auch. Clan Silure Sven legte bei seinem Besuch mit genau 200 Zentimeter, einen sauberen Einstand hin.

 

Am Vollmondtag kam dieser Bulle von 227 cm - was für ein Massemonster! Der Fisch kam dank meiner Vollmondregel fast schon auf Ansage. Thommy fing kurz vor seiner verfrühten Abreise noch diesen Brummer von 229 cm. Roman, Sven und mir sollten noch drei ereignisreiche Tage bevorstehen. Feuer und Bier - für mich eigentlich ein No Go am Wasser. Kleine Ausnahmen können sind aber ab und an mal ganz schön sein.

 

Gegen Ende des Trips fielen die Wassertemperaturen. Wohl ein Zeichen für die großen, noch einmal zu fressen: Sylvesterfisch mit 230 cm für Roman. Sven legte um 20 Uhr am Sylvesterabend nach: Dieser kräftige Wels war 235 cm lang und bescherte dem Cats Illustrated Redakteur einen grandiosen Fight. 12 Stunden später war ich an der Reihe: Neujahrsfisch mit 241 cm. Der Jahreswechselwahnsinn war perfekt - Welch ein krönender Abschluss der Tour!


Auf meinem Youtube-Channel findet ihr übrigens nicht nur den kompletten Drill von Maya, sondern auch einige andere interessante Videos von diesem Trip.

Diese Session war das beste was ich in den vergangenen fünf Wintern erleben durfte. Zum Glück habe ich vieles mit in das neue Jahr genommen. Die Tour gab mir die nötige Kraft, einige sehr wichtige Aufgaben anzugehen. Heute, Mitte März, ist zwar längst noch nicht alles geregelt - die Weichen für den Erfolg von Zeck-Fishing sind aber schon mal gestellt.
Langsam wird es Zeit, diesem langen und harten Winter Lebewohl zu sagen. Das Frühjahr steht vor der Tür und nach den ganzen Messen und der unendlichen Arbeit im Büro, heißt es auch wieder für mich: Wasser, ich komme.

Euch wünsche ich natürlich alles Gute für das neue Jahr. Möge die "Watercraft" mit euch sein.

Auf ein "schleimiges" 2013 ;-)

Euer Carsten