Summerbeast

31.07.2013 - von Carsten Zeck -

Mann, war das heiß. Zum Glück war das Klima anscheinend sogar den Mücken etwas zu heftig. Selten musste ich nachts mit freiem Oberkörper auf der Liege, natürlich ohne Schlafsack, pennen. Alle weiteren Umstände machten die Tour auch nicht gerade zum Kinderspiel. Doch fangen wir einfach mal von vorne an.
Zusammen mit Andreas und Hardy machte ich mich am Donnerstag auf nach Frankreich. Andreas hatte noch was gut bei mir und Hardy gewann bei einer Tombola von Frank Wisskirchen (FW Angeln Pur), ein gemeinsames Angeln.

Als wir ankamen und das Echolot 27 Grad Wassertemperatur anzeigte, traute ich meinen Augen zuerst nicht - was für eine Badewanne! Mir war klar, dass das kein Zuckerschlecken werden würde. Jedoch bekamen wir eigentlich ordentlich Bisse. Leider hatten wir aber unheimlich viel Pech, denn neben den Fehlbissen, verloren wir auch noch zwei Wallis. Der erste schwamm in ein Hindernis. Wir bekamen die Montage zwar wieder frei, der Zielfisch hatte sich in der Zwischenzeit aber bereits vom Haken gelöst. Der zweite Fischverlust war noch wesentlich bitterer. Beim Anschlag habe ich das Vorfach gesprengt. Das gibt es doch nicht… ursprünglich spielte ich mit dem Gedanken, dieses dünnere, 1mm starke Kevlar, für Leute, die in der Heimat gerne etwas feiner fischen möchten, ins Programm aufzunehmen. Nach diesem Erlebnis und weiteren Tests muss ich mir aber eingestehen, dass diese Überlegung definitiv falsch war. Manchmal muss man einfach negative Erfahrungen sammeln, um die Augen geöffnet zu bekommen. Zum Glück bin ich momentan regelmäßig am Wasser. Was bei manch einem Mitbewerber ohne Praxistests einfach so durchgelassen wird, muss sich bei uns erst einmal am Wasser beweisen – und das ist auch gut so, wie man sieht.

Hardy tat mir wirklich leid. Mussten wir unbedingt bei dieser Tour wieder einmal so viel Pech haben? Aus den ersten acht Bissen holten wir lediglich einen Fisch heraus. Zum Glück war es ein recht schönes Exemplar und Hardy konnte wenigstens mit einem Burschen auf der Habenseite die Heimreise antreten.

Jetzt war Andreas an der Reihe. Wir beiden blieben noch einen Tag länger und wechselten den Platz. Von einem tiefen, strukturreichen Bereich ging es in eine recht flache, schmale Zone. Bei dieser hohen Wassertemperatur versprach ich mir, dass der Fluss hier etwas schneller fließen würde und folglich auch mehr Sauerstoff im Wasser vorhanden ist. Andreas war zuerst etwas skeptisch: „Auf dem anderen Platz fingen wir fast alle Fische tief und wir hatten eine überaus interessante Bodenstruktur – was willst du jetzt hier?“ Am Samstagabend gegen 21.40 Uhr war die Skepsis dann jedoch auf einmal weg. Es erfolgte nämlich ein Hammerbiss auf eine Brasse im Klodeckelformat. Der Drill beschleunigte den Schweißfluss und Andreas hatte alle Hände voll zu tun. Das Muster der Pro-Cat (upps, jetzt habe ich den Namen bereits verraten:-) ) konnte zeigen, was es kann. Andreas war völlig begeistert von der Rute und wiederholte mehrmals, dass auf der anderen Seite wohl jemand sauer wäre. Der Fisch stand wirklich gut in der Tiefe. Wie es im Sommer üblich ist, dauerte der Drill allerdings nicht ewig lange. Klar kann man mit einer weichen Rute das ganze Szenario ordentlich in die Länge ziehen, wenn man möchte. Dem Wels zuliebe sollte man darauf allerdings verzichten. Als der Kopf das erste Mal neben mir auftauchte (wir drillten vom Schlauchboot aus), wusste ich, was angesagt war. Ein wahres Summerbeast hatte sich da unseren Köder geschnappt. Wenig später griff ich den Burschen, zog ihn ins Boot und ließ meiner Freude freien Lauf. Auch Andreas konnte sich einen Jubelschrei nicht verkneifen. Diese Granate machte die ganzen negativen Ereignisse des Kurztrips wieder gut – Jawoll!
Um dem Fisch, das Anleinen zu ersparen, schossen wir sofort die Fotos. Im Wasser durfte ich ihn auch noch einmal schnell halten, bevor wir ihn wieder in die Freiheit entließen.

Besonders an Flüssen mit langsamer Strömung muss der Wels im Sommer, sofort nach dem Fang, wieder schnell zurück ins Wasser. Auf die Benutzung eines Wallerseiles sollte bei Temperaturen jenseits der 20 Grad Marke generell verzichtet werden. Auch wenn die Fotos vielleicht nicht ganz so schön werden - der Fisch wird es uns danken.
Unser Gigant hatte übrigens eine Länge von 235cm. Da er unglaublich massiv gebaut war, legten wir kurz mal das Maßband um seine Wampe: 112cm Umfang – ziemlich adipös:-).
Welch ein geiler Abschluss des Kurztrips. Wir konnten zufrieden die Heimreise antreten… wer hätte das gedacht, nachdem die Tour so bescheiden begann. Langsam fange ich an, diesen heißen Testsommer 2013 richtig zu lieben.

Ich wünsche euch ebenfalls heiße Drills – der Stoff aus dem Sommernachtsträume bei Walleranglern gemacht sind!

Euer Carsten