Die Laichzeit-Bombe

18.06.2014 - von Carsten Zeck - 

Aufgrund eines Motordefektes an Marcos Boot mussten wir die Rheintour, bei dir wir für den Alternativköder-Vergleich filmten, abbrechen. Da Marco schon die „weite“ Reise aus dem Unstruttal für diese Tour auf sich genommen hat, wollte ich ihn natürlich nicht heim schicken. Eine Alternative musste her. Mein Vorschlag nach Frankreich zu fahren, gefiel ihm. Also packten wir abends bei mir schnell das Schlauchboot ein, druckten im Internet eine Lizenz für Marco aus und legten uns noch eine Runde auf‘s Ohr, bevor wir uns am anderen Morgen auf den Weg machten.

Marco hat sich für meine Erzählungen über die Fischerei in Frankreich sehr interessiert. Er wusste quasi gar nichts über die Begebenheiten dort. Nachtangel-; Bojen-; Abspann- und Köderfischverbot während der Raubfischschohnzeit machen das Welsangeln in Frankreich nicht gerade einfach. Starke Kontrollen, die in der letzten Zeit immer häufiger durchgeführt werden, sorgen dafür, dass man kaum noch ruhigen Gewissens die Montagen abends im Wasser lassen kann. Leider wussten viele Angler nicht, wie man sich als Gast in diesem wundervollen Land benimmt. Illegal durchgeführte Guidingtouren an diversen Flüssen und schwarze Schaafe, die zum „Fleischfischen“ nach Frankreich fuhren, sorgten dafür, dass man deutsche Angler in manchen Regionen von Frankreich nahezu hasst.

Zum Glück befische ich die Gewässer in Frankreich schon seit 2007 sehr intensiv und kenne mich dort sehr gut aus. Ich persönlich möchte das Welsfischen in Frankreich nicht missen. In kaum einem Land gibt es so viele unterschiedliche Gewässer, in denen überall kapitale Fische herum schwimmen. Weiterhin gibt es keine Camps und keinen Angeltourismus. Man ist komplett auf sich alleine gestellt und das gefällt mir. Nichts gegen Camps in Italien oder Frankreich. Diese besuche ich selbst sehr gerne. Aber ich mag es einfach, wenn man an diversen Flüssen nahezu alleine, gezielt auf Wels ansitzt. Bevor jetzt Einwände kommen: Bitte habt Verständnis dafür, dass ich in Punkto Frankreich keine Gewässerinformationen Preis geben möchte. Die schwarzen Schaafe, die eben angesprochen wurden, lauern einfach überall. Ein Beispiel dafür gibt es auch wieder in diesem Text, weiter unten. Außerdem finde ich es nicht gerade gut, wenn ihr als Leser alles auf dem Silbertablett serviert bekommt. Eigeninitiative ist wichtig. Die selbst erarbeiteten Fische sind viel mehr Wert und man freut sich darüber auch sehr viel intensiver. So viel zu meiner ehrlichen Meinung. Jetzt geht es aber wieder zurück zum eigentlichen Thema; unserem Trip.

Als wir los fuhren, hatten wir natürlich keine Köderfische am Start. Wir waren auf das Feedern angewiesen. Im Normalfall funktioniert der Köderfischfang in dem von uns ausgewählten Gewässer problemlos; im Normalfall. Am Tag der Abreise hatten wir irgendwie die „A…karte“ gezogen. Neben einem kleinen Wels, der direkt wieder sausen durfte, interessierten sich lediglich eine Karausche und eine Brasse für unsere Maden. Kein Wunder, dass Marco da etwas die Miene verzog. Mir ging es ähnlich. Die Laune wurde erst wieder besser, als unser französischer Freund Thierry sich meldete und spontan entschied, uns an dem verlängerten Wochenende zu begleiten. Er brachte Baguette und Wurst mit. Da geriet kurzzeitig mal das Köfiproblem in Vergessenheit. Es hört sich zwar vielleicht etwas blöd an, aber seit ich eine eigene Firma besitze, finde ich solche „Problemchen“ am Wasser nicht mehr besonders dramatisch. Es gibt weitaus schlimmere Dinge und durch solche Vorkomnisse sollte man sich die Freude am Angeln nicht vermiesen lassen. Bleibt man locker, hat man den Kopf auch freier, um sich Gedanken zu machen, wie man die Situation wieder gerade biegt. In unserem Fall feederten wir abends sehr ufernah. Es ist schon Wahnsinn, wie nahe die Fische ab Beginn der Dämmerung in den Uferregionen nach Nahrung suchen. Wir bekamen den Setzkescher doch noch voll und am anderen Morgen konnte Marco seinen ersten „Franzosen“ präsentieren. Ein wundervoller Fisch, der das Laichgeschäft wohl schon hinter sich gebracht hatte.

An diesem Tag beschloss Thierry mit seinem Schlauchboot zum Klopfen heraus zu fahren. Zufälligerweise hatte ich noch ein Endmuster der V-Stick dabei. Seinen alten Stock konnte er somit am Ufer lassen. Mit acht, zugegeben eher kleineren, Wallis weihte er seine neue Vertikalrute mehr als gebührend ein. Marco und ich stockten währenddessen unseren Köderfischvorrat auf. Ein „Klodeckel“ nach dem anderen wanderte an diesem Tag auf unsere Habenseite. In der Heimat hasse ich dicke Brassen. In Frankreich, wo die kapitalen Welse jedoch Mäuler, so groß wie „Scheunentore“ haben, stehe ich auf diese schleimigen Teile. Gerade in der Laichzeit bzw. kurz danach, wenn einige Waller mit dem Liebesakt bereits fertig sind, kann man damit ordentlich abräumen. Die Welse sind dann noch entsprechend aggressiv und lassen sich mit solchen Großködern besonders gut zum Biss überreden. Präsentiert haben wir sie mit der Steinmontage in tiefen Rinnen. In langsam fließenden Gewässern müssen hier große U-Posen mit über 100g Tragkraft zum Einsatz kommen. Ansonsten riskiert man Verhedderungen der Montage. Der Köfi (in Frankreich sind lebende Köderfische noch erlaubt) kann mit kleinen Auftriebskörpern nämlich machen was er will, wenn er durch die Strömung nicht in eine Richtung gedrückt wird. Nur durch große Unterwasserposen wird er in seiner Bewegungsfreit gehemmt und zuverlässig oben gehalten. Man angelt auf diese Art und Weise quasi in Vorfachlänge über Grund, was sehr gut funktioniert. Schwanzköderung und monofiles Vorfachmaterial sind ebenfalls zur Prävention gegen „Tüddel“ von Vorteil. Noch eine Bitte an euch alle: Die Waller niemals in ihren Laichrevieren beangeln. Dort brauchen sie ihre Ruhe. Ihr wollt ja  schließlich auch nicht gestört werden, während ihr mit eurem Partner gerade „Liebe macht“ ;-).

Als Thierry vom Klopfen zurück kam, machte er eine sehr unerfreuliche Entdeckung. Zwei Herrschaften waren oberhalb unseres Platzes gerade dabei, sogenannte Legleinen auszubringen. Solche langen Seile mit etlichen Haken und Köderfischen dienen dazu, möglichst viele Welse auf eine sehr schlimme Art und Weise zu fangen. Die Beute wird von den Personen, die solche verbotenen Methoden benutzen, zumeist verkauft und zu Geld gemacht. In meinen Augen ist das eine riesengroße Sauerei. Mancherorts sind es organisierte Banden von Kriminellen. Leute, denen man besser aus dem Weg gehen sollte.
Da es jedoch nicht unser Ding ist, allen Problemen einfach aus dem Weg zu gehen, fuhren wir mit unseren zwei Schlauchbooten zu den Herrschaften und stellten sie zur Rede. Zum Glück ging keine große Gefahr von ihnen aus. Wir konnten sie vertreiben. Wenigstens ein Achtungserfolg. In meinen Augen sollte der Staat gezielt gegen solche Verbrecher vorgehen und weniger die Gäste dieses Landes zur Kasse beten, die gerne Nachtangeln, Catch & Release betreiben, Lizenzen, Köder und Nahrungsmittel in Frankreich kaufen, sowie viel Geld für Maut, Treibstoff und sonstige Dinge an den völlig überteuerten Raststätten lassen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, die wir zum Teil auch einigen deutschsprachigen Landsmännern zu verdanken haben.

Zurück zum anglerischen Geschehen. An diesem Abend hatten wir ordentlich „Munition“ in Form von großen Brassen zur Verfügung. Hiermit konnten wir die Kanten, Rinnen und Fressrouten der Welse optimal befischen. Es sollte auch nicht lange dauern, bis der erste zaghafte Biss sich meldete. Ich war der erste, der Drillen durfte. Danach kamen  Thierry und Marco wieder an die Reihe. Der Fisch von Marco verfehlte die 2m-Marke nur knapp.

Was war eigentlich mit meinem Fisch? Der Biss war anfangs sachte. Kurz vor dem Anhieb wurde die PRO-CAT dann allerdings brachial nach vorne gerissen. Großfisch-Alarm; das war klar. Zum Drillen ging es natürlich sofort ins Schlauchboot. Zu groß erschien mir die Gefahr, den Bullen an einem Hinderniss der steilen Uferkante zu verlieren. Über dem Fisch angelangt, spürte ich zwar ein enormes Gewicht, aber ich konnte ihn relativ leicht zur Oberfläche pumpen. Erst jetzt sah ich die gigantischen Ausmaße des Welses. Ich Trottel hatte leider die Bremse etwas zu fest eingestellt. Das kommt davon, wenn man denkt, dass dadurch der Selbsthakeffekt im Ständer erhöht wird. Ein großer Fehler; so dicht am „Überbordgehen“ war ich bei noch keiner Anfangsflucht. Hätte ich jetzt so ein großes Aufmerksamskeitsbedürnis wie manch ein anderer Welsangler in der Szene, würde ich euch von einem halbstündigen Drill berichten. Allerdings war das Ding nach fünf harten Minuten gegessen. Ich finde es echt beeindruckend, wie schnell man Großfische mit der PRO-CAT ermüden kann. Besitzt man einen zu weichen „Lämmerschwanz“ ohne Rückstellkraft kann ein Drill schon mal länger als 15 Minuten, je nachdem wie tief das Wasser ist, dauern. Bei Bedingungen wie im unteren Teil des Roba Roja Staus hatte ich auch mit einer ordentlichen Rute schon mal über 20 Minuten lang zu kämpfen. Längere Drills kommen aber wirklich zumeist nur durch fehlende Fertigkeiten zustande oder die Leute können die Zeit, die sie benötigen, einfach nur schlecht einschätzen. Oftmals ist es auch eine Kombination aus beidem. Da bei uns zumeist die Kamera und die Zeit mit läuft, weiß ich wovon ich spreche.

Ich zog den Fisch mit etwas Mühe ins Schlauchboot und war einfach nur happy. Mein erster Gigant für 2014. Folgende Zeilen postete ich unmittelbar nach dem Fang auf Facebook: "Wenn das große 320cm Schlauchboot bei weitem nicht ausreicht, um zu messen, muss es eine echte Bombe sein. Ihr glaubt gar nicht, wie happy ich gerade bin:-)"

Hätte ich gewusst, was diese Zeilen bewirken würden, hätte ich sie nicht geschrieben. Spätestens als zwei Tage später das Bild des Giganten veröffentlicht wurde, überschlug sich mein Postfach und mein Telefon blieb keine Minute mehr still. Naja, den Traffic nehmen wir mal mit, dachte ich mir und behielt die Länge weiterhin für mich. Auch jetzt werde ich sie nicht Preis geben. Stattdessen werde ich demnächst mal ein kleines Youtube-Video über Größen und die Erwartungshaltung der Angler auf Youtube stellen. Genau dort wird auch das ausführliche Video des Trips erscheinen.

Wisst ihr, was mir neben dem geilen Fisch genauso lange in Erinnerung bleiben wird? Die drei schönen Tage mit zwei guten Freunden. Leider haben wir am letzten Tag zwar nur noch einen kleineren Burschen gefangen, aber was soll’s. Die Zeit war gut und jeder von uns durfte mehrere schöne Wallis überlisten.

 

Mein Fazit: Großfische sind längst nicht alles – aber trotzdem geil!


Euer Carsten