Fortbildung mal anders

13.05.2014 - von Carsten Zeck -

Bei dem letzten Trip hatte ich einen, nennen wir es mal, etwas ungewöhnlichen Mitfahrer dabei. Ich sehe ihn zwar fast täglich, ans Wasser hat er mich aber noch nie begleitet. Wenn ihr Seite 4 unseres 2014er Kataloges aufschlägt, wisst ihr wer gemeint ist.  Die Rede ist von unserem wichtigen Mann im Hintergrund, Dominik Franz.  Da mein eigentlicher Mitfahrer kurz vor der Tour abgesprungen ist und Dominik (eigentlich Nichtangler) mich unbedingt mal bei einer Wallertour begleiten wollte, hat das ganze super gepasst. Da er ja auch im beruflichen Alltag ein wenig mit unseren Produkten zu tun hat, sollte er jetzt auch mal sehen, wofür man sie eigentlich benötigt. Die Tour könnte man also quasi als Fortbildungsmaßnahme bezeichnen.

Wie immer war im Vorfeld wieder einiges zu erledigen, was letztendlich dafür gesorgt hat, dass wir etwa 12 Stunden zu spät weg kamen. Nachdem in Frankreich seit Anfang Mai wieder mit Köderfischen geangelt werden darf, war klar, wo die Reise hin gehen sollte. Es galt einige 100 Kilometer auf den französischen Autobahnen hinter uns zu lassen. So war ausreichend Zeit, um einige firmeninterne Dinge zu klären. Auch mal nicht verkehrt, wenn man zwangsläufig so lange nebeneinander sitzen muss. 
Muss ich eigentlich erwähnen, dass wir uns leider etwa „verquatscht“ haben und nicht mitbekamen, dass wir zu weit auf der einen Autobahn gefahren sind? 150 Kilometer betrug letztendlich der Umweg. Warum muss denn zu Beginn einer jeden Session alles so chaotisch ablaufen? 

Am Wasser begrüßte uns bereits Tony Begnon. Tony ist in den letzten drei Jahren nicht nur ein guter Freund von mir geworden, sondern mittlerweile auch Teamangler. Etliche gute Fische wandern jedes Jahr auf seine Habenseite. Vor Ort sagte er uns, dass er während den knapp vier Tagen mit uns fischen wolle. Gerne! Durch gemeinsame Sessions ist Tony der einzige Franzose, den ich kenne, der wirklich was vom Ansitzangeln auf Waller versteht. Seine Landsleute wissen davon zumeist nämlich nicht viel. Lediglich im Aktivsektor sind sie oft wahre Koryphäen. Das beherrscht Tony übrigens auch. Vor zwei Jahren konnte er in seinem Hausgewässer beispielsweise ein wahres Biest von 252cm Länge beim Vertikalangeln überlisten.

Leider waren wir viel zu spät erst am Wasser. Ich ließ es mir aber trotzdem nicht nehmen, eine ordentliche Stelle zu suchen und gewissenhaft die Ruten auszulegen. Zwei Fische hatten wir am anderen Morgen auf der Habenseite, wovon einer „vorzeigbar“ war.

Auch wenn das wirklich ok war, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Welse nur verhalten bissen. Tony klärte mich auf: Durch den Aufstieg der Meerneunaugen zu ihren Laichgründen, liegt für die Waller ein reich gedeckter Tisch vor. Sie schlagen sich mit diesen im Schnitt 70-80 cm langen „Schlänglern“ die Mägen voll. Ich war wirklich erstaunt, schließlich habe ich woanders noch nie davon gehört. Als ich am zweiten Tag aber so  ein „hässliches Teil“ an der Wasseroberfläche sah, konnte auch ich mir vorstellen, dass die Burschen wohl in Massen im Fluss vorhanden sein müssen. Kein gutes Omen also.

Dennoch bissen wir uns durch. Wir nahmen einiges auf uns und wechselten den Platz. Es ging in einen komplett anderen Abschnitt, der einige Kilometer entfernt war. Hier wurden die Karten noch einmal neu gemischt. Und siehe da: Der Plan ging auf. Eine Steinmontage, die wir hinter einer steilen Abrisskante in etwa 300m Entfernung zum Angelplatz präsentierten, lief innerhalb weniger Stunden gleich zwei Mal ab. Und wisst ihr was das Beste daran ist? Gleich zwei Giganten, vollgefressen und mit identischer Länge, konnten wir einige Zeit später für ein Fotoshooting überreden …kurz darauf kam sogar noch ein weiterer gut genährter Walli dazu (und das waren nur die besseren dieses Tages). Wir sind gegen die Neunaugen angetreten und haben gewonnen – Yes!

Eigentlich befische ich einen Platz nur selten länger als 24 Stunden. Aufgrund der Tatsache, dass die gegenüberliegende Seite mit tiefem Wasser und sehr viel Holz eigentlich noch einen Big One hervorbringen musste, beschlossen wir jedoch, noch eine weitere Nacht an Ort und Stelle zu bleiben. Bis auf zwei Erlebnisse, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können, tat sich aber nichts. Zum einen dachte so ein blöder, daher geschwommener Biber, er müsse uns mit seinen „Dentagard-Zähnen“ die Schnur durchbeißen. Ich  hätte ihm ja auch so geglaubt, das seine Beißerchen scharf sind – einfach nur dreist. Zum anderen verlorenen wir einen weiteren guten Waller. Diesen sollte eigentlich Dominik drillen. Auch wenn er noch nie zuvor eine Rute mit Fisch am anderen Ende in der Hand hatte, machte er keinen Fehler. Nach einer Minute Drill ist er einfach ausgestiegen – So ein Mist! Also gut – noch einmal moven. Dominik brauchte unbedingt noch seinen Wels. Am Ende einer jeden beruflichen Weiterbildung sollte ja schließlich eine Prüfung stehen.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass wir nur mit vier bis sechs Ruten gefischt haben; obwohl in Frankreich eigentlich vier Stück pro Nase zulässig sind. Ich bin jedoch der Meinung, dass man mit weniger Ruten oftmals effektiver angelt. Man hat mehr Zeit, um die Monaten wirklich gewissenhaft zu legen. Außerdem verpulvert man so nicht unnötig viel „Munition“ in Form von Köderfischen. Der größte Vorteil ist aber mit Sicherheit die Tatsache, dass man so unauffälliger fischt und sich weniger Schnur im Wasser befindet. Alles Gründe, die dafür sprechen, dass weniger manchmal mehr ist. Genauso sieht es übrigens auch mit dem Gepäck aus. Umso weniger man dabei hat, umso flexibler ist man. Auch wenn manchmal improvisiert werden muss. Nur so als kleine Tipps am Rande.

Bevor wir den Platz wechselten, entschied sich Tony, sein Auto in die Nähe des neuen Angelplatzes zu bringen. Ein Kollege holte ihn dafür mit einem anderen Wagen ab. Da der Fluss nicht durchgängig beschiffbar ist, hat man es in dem Flachwasser manchmal schwer, mit dem Motor gegen die starke Strömung anzukommen. Flussab kommt man schon besser voran, auch wenn man manchmal aussteigen und das Boot ziehen muss. Worauf ich hinaus will: Tony vergaß sein Handy bei uns auf der Insel und musste, als sein Kollege ihn zurück brachte, zu uns auf die Insel zurück schwimmen. Gegen den Wind habe ich seine Rufe leider nicht gehört. Umso verdutzter war ich, als er auf einmal klatschnasser Tony hinter einem Busch hervor trat:-).

Neuer Platz, neues Glück. Wir entscheiden uns, in einem Arm zu fischen, der auch gerne von Meeräschen aufgesucht wird. Ich hatte etwas Angst, dass Dominik doch nicht zu seinem Fisch kommen sollte. Doch diese Angst legte sich einige Stunden später. Am letzten Abend sollte er doch noch das Vergnügen haben, seinen ersten Wels zu drillen. Der 204m-Mann war happy - Prüfung bestanden! Der Kurztrip nach Frankreich war somit ein voller Erfolg. Die Bedingungen waren nicht ganz einfach, aber wir haben sie gemeistert. Vor allen Dingen verbrachten wir sehr schöne gemeinsame Stunden an einem der imposantesten Flüsse Europas. Anglerisch werden uns die beiden 225cm Granaten bestimmt noch lange in Erinnerung bleiben.

Wir traten am letzten Tag bereits sehr früh die Heimreise an. Dominik und ich hatten abends noch etwas vor. Ausnahmsweise mal Dinge, die nichts mit der Arbeit oder dem Angeln zu tun hatten. Während Dominik beim Feuerwehrfest der Gemeinde aushalf, fand ich mich abends auf einem Konzert des wohl bekanntesten jamaikanischen Dancehall-Künstlers wieder. Ich war noch nie zuvor auf einem Konzert und angesichts dieser ganzen herumhopsenden Teenies wurde mir auch klar, warum ich es bevorzuge, meine Freizeit am Wasser zu verbringen. Trotzdem freundete ich mich irgendwie mit den Beats an. Manchmal muss man es seiner besseren Hälfte halt auch mal Recht machen. Außerdem bekommt durch solche Maßnahmen die Angeltrips auch viel einfacher genhemigt;-)

Euer Carsten