Wurf auf Wurf

17.08.2014 - von Carsten Zeck -

In den letzten beiden Jahren habe ich die Spinnrute nur sehr selten geschwungen. Wenn man bedenkt, dass die Bisse und anschließenden Drills unserer schleimigen Freunde am recht leichten Spinngerät wirklich atemberaubend sind, ist das sehr schade. Trotzdem sind haben wir uns im Rahmen unserer Sortimenterweiterung natürlich auch dafür entschieden, eine Wallerspinnrute auf den Markt zu bringen. Ähnlich wie unsere Pro-Cat im Ansitzbereich sollte auch unsere erste Spinnrute ein echtes Allroundtalent sein, das seine Stärken jedoch bei der gängigsten Methode, dem Blinkern besitzt. Da ich, wie oben bereits angedeutet, jedoch nicht mehr allzu häufig Spinnfischen gehe, trafen wir die Entscheidung, das Projekt Zeck Fishing Spinnrute wieder mit einem erfahrenen Angler aus diesem Segment zu realisieren. Ähnlich wie auch im Vertikalsektor, wo wir mit Philippe Carême einen der erfolgreichsten Waller-Vertikalangler überhaupt im Team haben, war das Ziel auch im Spinnbereich mit einem echten Meister seiner Klasse zusammen zu arbeiten. Wie ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit ja bereits erfahren habt, ist uns das mit Jörg Willems alias Blinker Jörg auch gelungen.

Mittlerweile liegt der Beginn der Zusammenarbeit mit Jörg schon einige Monate zurück. Bereits mit dem ersten Muster konnte Jörg, zusammen mit seinem Kollegen Ralf, während einer Spinntour in Spanien, in wenigen Tagen über 50 Waller überlisten. Etwa 100 Waller und fünf Abänderungen später, ist die Blinker Jörg Spin 270 nun endlich fertig. Die Rute ist bereits bei unserer Rutenbaufabrik in großer Stückzahl bestellt und kommt ab November 2014 in den Handel. Das Arbeitstier wiegt lediglich 290 Gramm, trotzt aber jeder Belastung und ist eine echte Wurfmaschine. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie viele Stunden ich mit Jörg zusammen verbracht habe, um die Rute bis ins kleinste Detail zu perfektionieren. Überlappender Spitzenring, 18 er Fuji DPS M Schraubrollenhalter, Verjüngungen im Griffbereich, 3 mm breiter Metallabschluss des Oberteils etc. – alles, wirklich alles wurde bis ins kleinste Detail durchgeplant und wenn es nicht optimal umgesetzt wurde, wieder abgeändert. Letztendlich ist eine echte Waffe entstanden, die alle Wallerangler, die vom Ufer aus fischen, sowas von befriedigen wird. Genau das war das Ziel von Jörg und genau das war auch unser Ziel. Demnächst wird es noch mehr Infos über das Baby mit 30 – 180 g WG geben. Zuerst einmal kommen wir aber zu meinem Spinntrip.

Ständig erreichten mich im Frühjahr Fangmeldungen von Jörg. Ein 2m-Fisch nach dem anderen wurde mit unserem Muster gebändigt. Spätestens nach Jörgs Moselrekord von 239 cm konnte auch ich es nicht mehr erwarten, endlich mal wieder die Spinnrute zu schwingen. Anfang Juni hatten wir das vorletzte Muster am Start. Nur noch „Kleinigkeiten“, mit denen wir aber gehörig Gewicht einsparen konnten, wurden noch vorgenommen. Blank, Beringung und Co. waren bereits identisch mit der jetzigen Endversion. Es wurde Zeit, dass auch ich mich von der Rute endlich am Wasser überzeugen lassen konnte.

Was soll ich sagen: Ich bin überzeugt! Aber alles nach und nach…
Zusammen mit Matthias (einem alten Angelkollegen aus Sänger-Zeiten) fuhr bzw. flog ich für fünf Tage nach Spanien. Neben den Blinker Jörg Spin 270 waren auch etliche Jörg Blinker mit im Gepäck. Wir mussten wirklich darauf achten, dass wir das von Lufthansa vorgegebene Gewicht nicht überschritten. Auch wenn wir am Mietwagenverleih knapp zwei Stunden warten mussten, erlebte ich noch nie eine „chilligere“ Anreise. Normalerweise fühle ich mich bei den Sessions, die in den Süden gehen, immer wie ein Fernfahrer. Mein Auto frisst Unmengen von Diesel und ich Unmengen von Kaffee und Energy-Drinks. Doch dieses Mal war alles anders. Das trug auf jeden Fall zur Entspannung bei. Wir schnappten uns unseren flotten Fiesta und danach ging es zu erstmal zu „Urlaub nach Maß“. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an Oliver Schier, der Inhaber des Camps, sowie an Patrick Gölzer von Saarwaller.com. Die Saarwaller-Jungs hatten zu der Zeit gerade ihr Ebro Event im Camp von Olli und wir wurden an unserem ersten Abend zu ihrem Paella Essen eingeladen. So gefiel mir der Start des Spinntrips:-).

Weiterhin durften wir nicht nur kurzfristig in einer von Olli‘s sehr gepflegten Wohnungen pennen, sondern er besorgte uns auch die Lizenzen. Zwar konnten wir uns in den ersten Tagen nur an einem kurzen Flussabschnitt aufhalten, aber wer zu spät kommt, den bestraft ja bekanntlich das Leben. By the Way: Im Urlaub nach Maß Camp benutzen die Guides mittlerweile die Pro-Cat 3,00m. Für ihre Art des Angelns ist das die perfekte Guidingrute. Wenn auch ihr vorhabt, mal an den oberen Teil des Ebro-Staus zu fahren, dann checkt doch mal die Homepage ab: http://www.urlaub-nach-mass.com

Nun zum Angeln: Am anderen Morgen ging es zeitlich los. Der Wecker rappelte jeden Tag um 05:30 Uhr. Ohne Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Wasser. Da ich an den Flüssen hier noch nie zum Spinnfischen unterwegs war, mussten wir viele Plätze zuerst einmal finden. Interessante Spots, die immer zuerst angesteuert wurden, waren die Wehre. Diese sind mit Google Earth, das sich auch auf meinem Handy befindet (das erspart einem die Vorarbeit – wichtig, wenn man immer ziemlich busy ist:-) ), recht einfach zu lokalisieren. Und genau da fingen wir auch an. Zumeist sind es die schneller fleißenden Bereiche unterhalb der Wehre, die die Fänge hervorbringen. Einen Versuch oberhalb im ruhigeren Wasser sollte man aber auch nie scheuen. Innerhalb der ersten fünf Angelminuten am ersten Morgen, konnte ich bereits am den ersten Walli fangen. Er war noch ziemlich verbissen vom Laichgeschäft. Die Blinker Jörg Spin wurde gebührend eingeweiht. Yes, so konnte es weiter gehen.

Als Köder verwendete ich ausschließlich die neuen Rasselblinker von Jörg. Diese Rasselblinker zeichnen sich durch den enormen Radau aus, den sie unter Wasser veranstalten. Neben dem übereinander gelegten Blättern, die aufeinander klappern (Einzelblattversionen gibt es bei den leichteren Modellen ebenfalls), sind am Ende auch noch kleinere Metallplättchen montiert. Diese erzeugen ebenfalls Geräusche und Druckwellen unter Wasser. Gerade Welse, die etwas träger sind, lassen sich dadurch sehr gut auf den Köder aufmerksam machen. Die Rasselblinker gibt es in verschiedenen Gewichten. Dadurch kann man die Tiefe, in der sie laufen, sehr gut variieren. In nicht allzu großen Wassertiefen kann man sie beispielsweise über Grund schlittern lassen. Das macht müde Welse munter! Der Vorteil der ganz neuen Version liegt am auswechselbaren Einzelhaken, der auf der konkaven (hohlen) Seite des Blinkers montiert ist. Dadurch hat man nicht nur weniger Fehlbisse, sondern auch weniger Hänger. Ich bin von den Teilen restlos begeistern. Die Blinker sind „Handmade im Saarland“ und werden von Jörg höchstpersönlich mühevoll gebaut und montiert. Jörg hat auch noch andere Modelle in seinem Repertoire. Seine komplette Blinker-Range bekommt ihr direkt bei ihm. Am besten schreibt ihr ihm einfach mal eine Anfrage per Mail ( Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ). Er wird euch mit einer detaillierten Produktliste antworten, aus der ihr euch eure neuen Lieblinge aussuchen könnt.

Neben den Wehren haben wir es auch immer wieder auf der freien Strecke versucht. Wir fuhren zumeist mit dem Auto an den Wegen vorbei, die vielerorts nahe der Flüsse verliefen. Der Beifahrer hatte dabei stets die Augen auf dem Wasser. Strukturreiche Stellen, wie beispielsweise Außenkurven oder Verengungen bekamen dabei stets unsere Aufmerksamkeit. Genau an solchen Stellen versuchten wir dann auch unser Glück. Leider war unser Flusstück, für das wir die Karten hatten, nur sehr begrenzt. Trotzdem konnten wir an den ersten zweieinhalb Tagen mehrere schöne Wallis (und einen leider außen gehakten Karpfen) überlisten. Darunter auch einen 2m-Fisch für Matthias, der sich den Rasselblinker gleich am ersten Abend in einen tiefen Gumpen geschnappt hatte.

Am dritten Tag erhielten wir endlich die Lizenzen für die anderen Flüsse. Ab jetzt konnten wir richtig Strecke machen und andere, noch heißeren Ecken beackern. Wurf auf Wurf ließen wir weitere zweieinhalb Tage lang, die Blinker durch die Luft fliegen. Ab und an waren die Welse richtig aktiv. Oberflächennah geführte, agil laufende, leichtere Blinker bis etwa 50 g Gewicht waren dann angesagt. Manchmal musste man aber auch mit den 120 g schweren Teilen richtig hart am Grund fischen, um Bisse zu bekommen. Der ein- oder andere wird sich vielleicht fragen, warum wir keine Gummifische eingesetzt haben. Nun ja, das liegt nicht etwa an einer rosaroten Brille, die wir bezüglich der Jörg Blinker auf hatten, sondern einfach nur daran, dass wir nur mit Blinkern die benötigten Wurfweiten von 50 m + erreichen konnten. Gummifische haben einfach zu schlechte Wurfeigenschaften. Weiterhin sind sie aufgrund ihrer großen Oberfläche auch zu anfällig gegen Strömung, wodurch man sie in stärker strömenden Bereichen nur schlecht fischen kann. Dort werden sie einfach zu schnell abgetrieben.
Insgesamt ließen wir etwa 20 Blinker in den 5 Tagen hängen. Aber wie heißt es so schön: Der Fluss nimmt und der Fluss gibt. Und mit dem, was er uns gegeben, waren wir mehr als zufrieden.

Der Trip hat einfach Spaß gemacht. Es war zwar sehr anstrengend, aber auch sehr abwechslungsreich. Bis auf den wenigen Schlaf, die vielen Moskitostiche und die eitrige Wunde, die ich mir lief, weil meine Wathose am Bein gescheuert hat, assoziiere ich eigentlich nur positive Erlebnisse mit den fünf Spinnangeltagen in Spanien. Mittags legten wir zumeist eine kurze Pause ein, in der wir uns stärkten. Morgens und abends gaben wir immer Vollgas. Angenehm war vor allem das leichte Gepäck, was wir dabei hatten. Vor allem als eingefleischter Ansitzangler, bin ich es normalerweise gewohnt, mehr mit mir herum zu schleppen.

Die meisten der 25 Fische, die wir fangen konnten, waren ca. 130 bis 150 cm lang. An der Spinnrute machen diese Burschen trotzdem sehr viel Freude. Das ist ja das Schöne beim Spinnfischen. Die Bisse sind brachial und bei den anschließenden Drills hat man zumeist ein Grinsen im Gesicht, auch wenn keine Riese am Haken hängt. Allerdings wollte ich unbedingt noch einen Großfisch mit der Blinker Jörg Spin fangen. Zum einen, weil ich natürlich Bock darauf hatte und zum anderen, weil ich selbst sehen wollte, wie sich der Blank unserer neuen Spinnrute bei einem härteren Drill verhält. Und wisst ihr was? Es hat geklappt. Nur drei Meter vor meinen Füßen nahm sich dieser schöne Bursche den Blinker und bescherte mir einen grandiosen Drill auf kurzer Distanz. Auch wenn er mit seinen 191 cm, die 2m-Marke nicht knackte, bin ich megahappy mit diesem Spinnwaller.

Die Blinker Jörg hat in diesem Urlaub gezeigt was sie drauf hat. Sie macht bei kleinen Fisch Spaß, hat aber gleichzeitig ausreichend Rückgrat für großen Jungs. Dem edlen Teil haben wir in den letzten Wochen noch den restlichen Feinschliff verpasst. Ich bin überzeugt, dass sie etliche Liebhaber unter den Spinnanglern finden wird.

In der Zwischenzeit versuche ich noch das ein- oder andere Mal mit der Wallerspinne los zu ziehen. Das Spin-Fieber hat mich definitiv wieder gepackt. Gemeinsame Sessions mit Jörg sind ebenfalls geplant. In diesen werden wir auch die Kamera mitnehmen und euch gemeinsam die Endversion unseres "gemeinsamen Babys" mal genauer vorstellen. Freut euch drauf.

Keep Casting!
Euer Carsten