Deutsches Gold

10.01.2014 - Jan Lehmann - 

Es ist Anfang Oktober und mein Freund Stefan und ich fahren mit dem Boot im Schlepptau einige ziemlich verschlungene Pfade entlang auf der Suche nach einer Slipstelle. Von dieser aus wollen wir in den kommenden zwei Tagen einen für uns neuen Abschnitt unseres Flusses erkunden und befischen. An der Silpstelle angekommen machen wir uns sofort daran, das gesamte Tackle im Boot zu verstauen und die „milly“ zu wässern. Kurze Zeit später befinden wir uns auch schon in Gleitfahrt auf dem Hauptstrom und peilen die ersten per Maps erspähten Spots an, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen.

Für die erste Nacht soll uns eine alte Hafeneinfahrt, welche sich als sehr strukturreich erweist, als Angelstelle dienen. Von einer langgezogenen Steinpackung am Hauptstrom bis hin zu fast stehenden Bereichen mit Flachwasser und vereinzelten Hindernissen im alten Hafenbecken gibt der Spot so einiges her.

Da wir bereits mit Köderfischen im Schlepptau angereist sind, geht das Ausbringen der Ruten recht schnell voran und noch kurz vor Einbruch der Nacht liegen vier Ruten an vielversprechenden Bereichen.

Aus Erfahrung wissen wir, dass die Strömungsverläufe entlang der Steinpackungen oftmals von Wallern als Raubstrecke genutzt werden. Da diese Steinpackungen meist im Treppenprinzip mit zwei bis drei Stufen bis zum Gewässergrund hin verlaufen, muss der Köder natürlich auch hier „richtig“ platziert werden. Die meisten Fische konnten wir an ähnlichen Stellen sehr ufernah auf der ersten Stufe, welche sich meist in nur 1,5 bis 2 m Wassertiefe befindet, fangen.

Eine weitere Rute legen wir an der Spitze der Steinpackung, welche hin zur Hafeneinfahrt verläuft, ab. Hier schießt die Strömung vorbei und bildet am Fuße dieser Steinpackung eine Kehrströmung. Jedoch hat sich auch hier der Bereich im strömenden Wasser angrenzend an die Kehrströmung als der Top Spot heraus gestellt. Flattert der Köder in der Kehrströmung so kommt es meist zu Verhedderungen da das Vorfach nicht gestreckt in der Strömung liegt. Außerdem ist die Zahl der Bisse seltener, da die meisten Fische entlang der Strömungsfahne ziehen, um zu rauben.

Nichts desto trotz lassen wir auch den strömungsarmen bzw. beruhigten Bereich im Hafen selber sowie die Grenzregion zwischen Hauptstrom des Flusses und Stillwasser des Hafens nicht außer Acht.

Im Verlauf der Nacht kommt es bei der Rute an der Steinpackung, sowie am Fuße zur Hafeneinfahrt zu Aktionen welche sich einmal als kapitaler Zander und anschließend als satter Fehlbiss heraus stellen.

Die Ruten im Stillwasser des Hafens bleiben jedoch unangetastet, was rückwirkend betrachtet zu erwarten war, da im Verlauf der Nacht keine Oberflächenaktivitäten zu verzeichnen waren und dies meist in engem Zusammenhang mit Bissen an derartigen Stellen steht. Zu gewissen Zeiten befindet sich jedoch aufgrund von Wasserstandsschwankungen und anderen Faktoren eine Menge Fisch in diesen strömungsarmen Bereichen und somit sind auch die Waller oftmals bereit diese Zonen auf zu suchen um sich ihren Teil vom Kuchen zu holen. Einen Versuch wert sind sie daher fast immer, aber die Mehrzahl der Fische befindet sich bei durchschnittlichen Bedingungen erfahrungsgemäß im Fluss.

Ein ähnliches Verhalten konnten wir bereits oft an den vielen im Fluss vorhandenen Buhnen beobachten. Obwohl die Buhnen eine Menge Nahrung und nur leicht strömendes Wasser auszeichnet befinden sich die wirklich großen Fische am Übergang zum Hauptstrom. Nicht nur den Großteil unserer Waller sondern auch die kapitaleren Exemplare der Brassen und anderer Weißfische bis hin zu Karpfen fangen wir im Hauptstrom an der Kante zur Rückströmung der Buhne.

Ein besonderes Augenmerk gilt dem Fuß der Buhne. Hier muss in jedem Fall eine Rute platziert werden. Wichtig hierbei ist eine U-Posenmontage zu verwenden und den Köder so am Buhnenfuß zu platzieren, dass er sich gerade in der Strömungsfahne der Hauptströmung befindet.

Nach diesem Prinzip fischen wir auch unseren Spot für die zweite Nacht an. Wir befinden uns mittlerweile auf einer Buhne welche mitten in einem Feld größerer Buhnen liegt. Die ersten Stunden mit der Feederrute lasen bereist Hoffnung aufkommen, da sich hier eine Vielzahl von Weißfischen tummelt und auch größere Exemplare hin und wieder in den Unterfangkescher landen.

Am Abend beginnen wir mit dem Auslegen der Ruten und haben vor drei Buhnenköpfe an zu fischen. Den stromab gelegenen, unseren eigenen und den stromauf gelegenen.

An allen drei Spots kommen klassische U-Posenmontagen mit ca. zwei Meter langen Vorfächern und 20g U-Posen zum Einsatz.

Die stromauf gelegte Rute wird vor dem Buhnenkopf am Fuße abgelegt und mittels eines Umlenkers mit Reißleine an der Buhne umgelenkt. Ziel ist es die ersten Meter der Hauptschnur vor dem Abrissstein in Strömungsrichtung verlaufen zu lassen.

Die mittlere Montage wird direkt am Fuße des eigenen Buhnenkopfes abgelegt. Und die stromab gespannte Montage wird vor dem nächsten Buhnenkopf abgelegt und die Hauptschnur über die Buhnenspitze hinweg in unsere Richtung geführt. Hierbei ist es Sinnvoll wegen der vielen zum Teil scharfkantigen Steine eine Schlagschnur vor zu schalten um Schnurbrüche beim Biss zu vermeiden.

Nach diesem Prinzip verteilen Stefan und ich für die zweite Nacht die Ruten.

Die Vierte Rute wird in die von uns stromauf befindliche Buhne an die Abrisskante zum Buhnenkessel gespannt da auch hier hin und wieder Waller auf der Suche nach Beute ihr Kreise ziehen.

Gegen 23 Uhr aus dem Nichts heraus plötzlich der Einschlag auf die Montage am eigenen Buhnenkopf. Aufgrund der nur Kurzen Entfernung zwischen Rute und Köder wird die Rute mit einem brachialen Schlag hinunter gerissen und steht kreisrund im Rutenhalter. Ich mache einen Satz und setze mit aller Kraft den Anhieb gegen den bereits im Hauptstrom stehenden Fisch. Daraufhin kann ich ihn nur mit Mühe einige Sekunden parieren und schlagartig erschlafft die Schnur.

Genau diese Momente sind es in denen ich gedanklich schon so einige Male die Rute vor Wut über dem Knie zerbrochen habe aber auch diesmal versuche ich die Fassung zu behalten und schone mein Tackle.Schnell sind Stefan und ich wieder startklar und legen die Rute erneut ab. Jedoch passiert bis zum Schlafengehen nichts mehr.

Dann werde ich durch einen Schlag am Glöckchen und das Piepen des Catsounders aus dem Schlaf gerissen. Im Mondschein sehe ich beim Herausschälen aus dem Schlafsack die erneut krumme Rute im Ständer und kurz darauf bereits den schlagenden Fisch an der Oberfläche. Was für ein Bursche denke ich mir und springe zur Rute, die ich nur schwer unter dem Druck aus dem Ständer bekomme. Unter viel Kraftaufwand versuche ich den wütend kämpfenden Fisch so schnell wie möglich in die Buhne zu bugsieren um den Drill weiter vom Ufer führen zu können.

Aufgrund der starken Strömung ist es schwer im Strom befindliche Fische vom Ufer zu drillen da man so mitunter Aussteiger provoziert. Mein Angelpartner bekommt von all dem nichts mit und übertönt meine Rufe mit seinem Schnarchen. Mit dem Fisch an der Rute schaffe ich es bis zu ihm und rüttle ihn schließlich wach. Gemeinsam beenden wir den Kampf und schon im Kopflampenlicht wird mir klar,dass das für uns Deutsches Gold ist.

Bis zum Morgengrauen bekommen wir noch einen Fehlbiss auf die Rute am nächsten Buhnenkopf. Bei herrlichstem Herbstwetter lichtet uns unser Freund Christian, der kurz auf einen Kaffee vorbei gekommen ist, gemeinsam mit unserm Fang ab.

Obwohl im Vergangenen Jahr durchaus Sessions mit mehr Fischen als bei der gerade beschriebenen dabei waren, ist besonders diese mir tief in Erinnerung geblieben. Zum einen weil Sie einen nicht alltäglichen Fisch zum Ergebnis hatte aber auch weil einfach so viele Dinge stimmten die unser Hobby zu der Leidenschaft machen die es für viele von uns ist.

Bis zum Biss…Jan