Unentdecktes Land

17.01.2015 - von Jan Lehmann -

Mittlerweile bewegen sich viele von uns in Gewässerabschnitten mit mehr oder weniger starkem Angeldruck. Es ist zum Teil gar nicht so einfach, Neuland zu entdecken. Aber hin und wieder gelingt auch das. Grundsätzlich gibt es hier einige Faustregeln, die auf der Suche nach noch unbefischten Gewässerabschnitten beachtet werden sollten um dann nicht doch auf dem „Lieblingsspot“ der lokalen Welsangler zu landen.

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch. Auch Gewässer bzw. einzelne Abschnitte, an denen regelmäßig gefischt wird, können gute Fische hervorbringen. Jedoch finde ich es auch sehr reizvoll etwas zu versuchen, was zumindest rein theoretisch, noch keiner vor mir versucht hat. Hundertprozentig lässt sich das sowieso nie ausschließen, aber einige Anhaltspunkte dafür gibt es immer.

1. Erreichbarkeit mit dem Auto
Gelangt man recht problemlos direkt ans Gewässer, oder sogar den Spot, so ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass auch andere vor uns schon dort waren.

2. Allgemeine Fanginformationen über das Gewässer
Hört man oft über Mundpropaganda oder die gängigen Onlineportale über das Gewässer, sowie Fänge daraus, so ist ein gewisser Bekanntheitsgrad nicht von der Hand zu weisen. 

2. Nähe zu Ballungsräumen
Befindet sich das Gewässer nahe einer Großstadt, so ist ebenfalls davon auszugehen, dass eine Vielzahl an Anglern hier aktiv ist.

Sicherlich gibt es noch weitere Faktoren die entscheidend sind. Aber in meinen Augen sind die oben genannten, die prägnantesten.

Grundsätzlich heißt aber ein hoher Bekanntheitsgrad eines Gewässers bzw. dessen Nähe zu einer Stadt nicht gleich, dass es für uns uninteressant wird. Man sollte es sich auf jeden Fall anschauen, aber hierbei den Blickwinkel entsprechend verändern. Hier sind oftmals Stellen interessant, welche erst auf den zweiten oder gar dritten Blick auffallen. Eine Begehung am Wochenende kann hier schnell Licht ins Dunkel bringen. Zu der Zeit sind die meisten Angler am Gewässer und man sieht sofort, wo viel gefischt wird und welche Bereiche, aus was für Gründen auch immer, außer Acht gelassen werden.

Diese sollten wir uns dann einmal genauer anschauen und mit etwas Glück entdecken wir dann auch dort unser kleines  „unentdecktes Land“. Sind diese Bereiche unzugänglich, zugewachsen oder gar mit konventionellen Methoden kaum oder nur schwer zu befischen, wird es schon interessanter. Wenn dieser Abschnitt dann noch interessante Strukturen beherbergt oder evtl. auf der Zugroute von Fischen liegen könnte, dann sollte hier auf jeden Fall gefischt werden.

Hier ist dann zum Teil etwas mehr Engagement und Fantasie gefragt, denn oftmals gestaltet sich die Fischerei aufgrund der schlechten Zugänglichkeit etwas umständlicher.

Ein Beispiel aus dem letzten Winter soll dies etwas verdeutlichen:

In einem Fluss in der Nähe meines Wohnortes befindet sich ein kleiner Warmwassereinlauf, der aber leider auf einem Firmengelände liegt. Erste Versuche dort zu fischen, endeten in Diskussionen mit dem Sicherheitsdienst der Firma. Also war schnell klar, dass hier eine andere Idee her muss. Vom anderen Ufer zu fischen, gestaltete sich schwierig, da das gesamte Tackle mehr als einen Kilometer zum Platz hätte getragen werden müssen. Nach einigen Überlegungen, entschloss ich mich, mein großes Boot einige Kilometer stromauf zu slippen und gegenüber des Warmwassereinlaufes zu Ankern und diesen vom Boot anzufischen. Somit bewegte ich mich nicht auf dem Firmengelände und im Winter hielt sich die Schifffahrt auf dem Fluss auch in Grenzen, was mir das Überspannen unheimlich erleichterte. Zwar waren meine ersten Versuche noch nicht von Erfolg gekrönt, aber der Weg dahin ist schon mal geebnet.

Ein Anderer Fluss in meiner Heimat wird mittlerweile stark von Welsanglern frequentiert, was vor einigen Jahren noch ganz anders aussah. Kaum jemand hätte dort einen derart guten Bestand erhofft und kaum jemand traute sich ernsthaft an diese Gewässer heran, da es durch seine mitunter sehr starke Strömung nicht dem durchschnittlichen Wallergewässer gleicht und dadurch auch schwerer zu befischen ist. Nur eine Hand voll einheimische Spezis wagte sich mit viel Ausdauer heran und wurde dafür auch reich belohnt. Schnell sprach sich dies jedoch herum und mittlerweile gibt es Abschnitte in denen man am Wochenende kaum eine freie Stelle findet.

Da ich kein Freund davon bin, einer von vielen zu sein und gerne etwas abseits vom Getümmel fische, suchte ich gemeinsam mit einigen Freunden nach weniger stark befischten Abschnitten am Gewässer. Bei der Suche legten wir auch hier die vorab beschriebenen Faustregeln zu Grunde und wurden schnell fündig.

Es war wieder einmal der helle Wahnsinn, wie schnell sich an derartigen Stellen der Erfolg einstellen kann. Ein permanenter Angeldruck hat solch eine Scheuchwirkung auf die Fische, dass sich die Ergebnisse in Windeseile verschlechtern können.

Hat man solche Bereiche mit wenig oder gar keinem Angeldruck gefunden, so ist es auch im eigenen Interesse ratsam die Stellen nicht gnadenlos zu befischen, sondern auch diese Bereiche ruhen zu lassen und in dieser Zeit andere Abschnitte zu befischen. Andernfalls lassen auch hier sehr schnell die Erfolge nach.

An den stärker frequentierten Bereichen dieses Flusses bewege ich mich meist nur noch bei Aufnahmebedingungen wie Hochwasser oder aber unter der Woche, um dem Angeldruck auszuweichen.

Abschließend kann ich euch nur den Tipp geben, dass auch beim Wallerangeln der Slogan „geht nicht gibt‘s nicht“ stark zutrifft. Bevor Ihr euch also eventuell das „unentdeckte Land“ vor der Nase wegschnappen lässt, rappelt euch auf und versucht auch mal unscheinbar erscheinende Gewässer oder Plätze...denn es könnte sich lohnen.

Bis zum Biss…Jan