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Der richtige Umgang mit Hechten ist entscheidend.

Hechte können durchaus schwierige Zeitgenossen sein, daher möchte ich euch in diesem Artikel den richtigen Umgang mit ihnen näherbringen. Dabei geht es in erster Linie um die Handhabung, wenn der Fisch wieder released werden soll. Angefangen von einer sicheren Landung für den Angler selbst, bis hin zu einer sicherer Landung für den Fisch, dem schnellen und einfach Lösen der Haken sowie dem korrekten Freilassen und Stabilisieren des Fischs.

Keschern sollte vermieden werden, insofern der Fisch wieder freigelassen werden soll.

Kescher ja oder nein?

Bei der Landung eines Hechts ist es wichtig, das Keschern so gut es geht zu vermeiden. Je nach Spot ist das natürlich kaum möglich, genauso wenn der neue PB am Haken hängt oder man den Fisch fest fürs Abendessen eingeplant hat. Wer den Fisch allerdings releasen möchte und die Möglichkeit zur Handlandung hat, sollte auf den Kescher verzichten. Da die meisten Kescher gummiert sind, geht es dabei nicht um die Verletzung der Schleimhäute, sondern um die Verletzungsgefahr durch die vielen Windungen und Drehungen des Hechts im Kescher.

Freie Montagen und Haken im Kescher stellen immer eine Gefahr für den Fisch und deine Finger dar.

Gefahr durch freie Haken

Die meisten von euch kennen es, ganz besonders wenn man mit Systemen angelt, die mit mehreren Drillingen bestückt sind. Ein Haken sitzt gut im Maul, der andere baumelt hingegen frei herum. Der Hecht windet sich im Kescher um die eigene Achse und das komplette Netz ist samt Fisch und Drillingen verknüllt. Hierbei entsteht nicht nur für den Hecht eine große Gefahr, sondern es wird durch die Unübersichtlichkeit, wo sich gerade die Haken befinden, das erste Mal richtig gefährlich für unsere Finger. Oftmals muss die Situation dann durch das Zerschneiden der Montage gelöst werden.

Das richtige Werkzeug muss beim Hechtangeln immer parat sein.

Das Werkzeug

Womit wir schon zum wichtigsten Zubehör kommen. Zunächst der Hook Cutter, ohne den ich nicht ans Wasser gehe. Egal ob Haken im Finger, Haken im Netz oder Haken im Kiemenbogen des Hechts - er ist unerlässlich. Eine kräftige und lange Lösezange ist ebenfalls ein Muss, um auch weiter hinten sitzende Haken gut lösen zu können. Hinzu kommt eine Sprengringzange, gerade wenn man sich doch für das Keschern entscheidet und regelmäßig mit Systemen fischt. Zu guter Letzt solltet ihr auch eine Pistol Pliers dabei haben, die in manchen Situationen einfach handlicher und leichter zu bedienen ist.

Eine Tackle Checkliste mit dem von mir verwendeten Material gibt es am Ende des Beitrags.

Handschuhe sind beim Versorgen von Hechten nicht gerne gesehen.

Handschuhe beim Hechtangeln?

Neben einem Kescher für notwendige Situationen sollte immer auch eine Abhakmatte greifbar sein, wenn man den Fisch zurücksetzen möchte. Doch wie sieht es mit dem Schutz der eigenen Hände durch Handschuhe aus? Keine Handschuhe, denn wie Welsangler tragen auch wir unsere sogenannten Pike Knuckles (auf Deutsch „Hechtknutscher“) mit Stolz. Zudem schaden sie dem Fisch mehr als wir denken, gerade weil wir durch den Kiemengriff die empfindlichsten Organe des Hechtes berühren. Ausnahmen gibt es natürlich bei den ersten Versuchen von Kindern und bei Personen, die an Hämopholie, also der Bluterkrankheit, leiden.

Der erste Blick kann beim Hechtangeln entscheidend sein.

Der erste Blick

Starten wir also bei der Landung und nehmen an, dass es sich nicht um einen absoluten Ausnahmefisch handelt, den wir natürlich so schnell wie möglich keschern, sondern um einen durchschnittlichen Hecht von 80 cm. Mein erster Blick gilt der Position der Haken. Sitzen beide Haken im Maul? Hängt ein Drilling frei? Hängt ein Drilling vielleicht in den Kiemenbögen? Wo kann ich den Fisch sicher greifen? Welche Seite ist besser geeignet?

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Der Kiemengriff

Natürlich sollte auch der mögliche Nackengriff Erwähnung finden, der aber nur bis zu einer Größe von 80 cm angewendet werden sollte. Wir sprechen also über den Kiemengriff. Ist der Fisch ausgedrillt, greife ich als erstes zum Vorfach und lege die Rute zur Seite. Nach einem letzten Blick auf die Position der Haken, gleite ich mit der Hand entlang des Kiemendeckels (niemals zwischen die Kiemen fassen) bis zum Ansatz der Kiemenbögen nach vorne. Durch die angewinkelten Finger spürt man vorne angekommen dann eine Art Lippe, hier heißt es jetzt kräftig zupacken und auf keinen Fall mehr loslassen. Übrigens, umso größer der Fisch ist umso besser und leichter lässt er sich greifen.

Für einen schonenden Release sollten die Haken möglichst schnell gelöst werden.

Schnelles Hakenlösen

Für einen Release muss es jetzt schnell gehen! Haken, die in den Kiemenbögen sitzen, sollte man grundsätzlich mit dem Hook Cutter so nah wie möglich hinter dem Widerhaken abschneiden. Sie lassen sich nur ganz selten lösen, ohne die Kiemenbögen zu beschädigen, was in den allermeisten Fällen zum Tod des Hechts führt. Alle Haken, die im Fischmaul sitzen, sollten gezielt am Schaft gegriffen und mit einem starken Ruck gelöst werden. Maul- oder Rachensperren sind dabei ein absolutes No Go. Im Idealfall ist man zu zweit unterwegs und eine helfende Hand schnappt sich die toothless Lipp (zahnlose Lippe). An dieser Stelle lässt sich das Hechtmaul gut und gefahrlos für die Finger öffnen.

Je schneller der Hecht abgehakt wird, umso größer ist die Chance, dass er keinen Schaden davonträgt.

Abhaken in der Luft oder auf der Matte

Während dieses Vorgangs halte ich den Fisch entweder über dem Wasser oder einer nassen Abhakmatte. Wer noch wenig Erfahrung hat, kann den Hecht natürlich auch direkt auf die Abhakmatte legen. Zu zweit lässt sich der Hecht so gut fixieren und ohne große Gefahr für Finger und Fisch abhaken.

Wer ein Foto machen möchte, sollte den Fisch kurz zur Beruhigung in einen Kescher setzen.

Einmal beruhigen bitte

Ist der Fisch erst einmal von den Haken befreit, geht es schnell weiter. Sind Fotos geplant, setzte ich den Hecht zum Beruhigen in einen Kescher und bereite die Kamera vor.

Auch beim Shooting sollte immer ein sicherer Kiemengriff gesetzt werden.

Kiemengriff beim Shooting

Beim Fotografieren selbst haben wir einzig durch den Kiemengriff die Möglichkeit, den Fisch sicher und gesund zu releasen. Denn nur dadurch ist nahezu ausgeschlossen, dass der Fisch auf den Boden fällt. Bitte unterstützt auch den Fisch mit der zweiten Hand immer unter dem Bauch und lasst ihn nicht an einer Hand herunterbaumeln. Durch die erhöhte Schwerkraftwirkung außerhalb des Wassers schieben sich gerade bei großen Fischen die Eingeweide nach hinten zusammen.

Küchenfische sind echte Helden, denn an ihnen kann z.B. der Kiemengriff geübt werden, der größeren Artgenossen einen sicheren Release gewährleistet.

Hecht-Helden

Im Übrigen ist natürlich ein Hecht der zum Verzehr entnommen wird, ein Held unter seinen Artgenossen. Hier lässt sich der sichere Kiemengriff nämlich am effektivsten üben, und zukünftig gesund zurückgesetzte Hechte wie dieses schöne Exemplar verehren ihn für sein Opfer.

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Catch & Release

Beim Release selbst gibt es dann noch ein paar Details zu beachten. Bitte hört mit dem Schwachsinn auf, den Fisch ständig vor und zurück zu schieben. Es bewirkt genau das Gegenteil von schneller Erholung. Das Wasser strömt dadurch in falscher Richtung durch die Kiemen. Ich greife den Fisch mit der zweiten Hand an der Schwanzwurzel, setzte ihn ins Wasser und löse dann den Kiemengriff. So lässt sich der Fisch am besten stabilisieren. Im Wasser wird er dann so lange mit lockerem Griff gehalten, bis er selbständig abtaucht.

Hinweis: Beim Betreiben von Catch & Release muss man sich im Vorfeld genau darüber informieren, wie die Rechtslage im jeweiligen Land/Bundesland ist.

Mit diesen Tipps schützt ihr die Fische und euch selbst beim Hechtangeln.

In diesem Sinne – ich hoffe, dass ihr den einen oder anderen Tipp mitnehmen konntet, der euch das Hechtangeln in Zukunft weiter erleichtert und damit sowohl euch selbst, als auch die gefangenen Fische schont.

Stay true, keep the water clean and catch the Biggest.

Euer Alexander Kubica

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