Kategorien
Oberflächenangeln auf Welse an der Steinpackung - Sucht nach Strömungsschatten und ihr findet die Welse!
Gerade in den Sommermonaten findet man die größeren Welse in der Nähe der Steinpackungen.

An vielen Flüssen Europas sind die Uferböschungen mit Steinpackung verbaut und befestigt worden. Für die meisten Angler wirken sie wie unattraktive, monotone Strecken und häufig schenken sie diesen Bereichen daher keine große Aufmerksamkeit. Dennoch lassen sich in den Sommermonaten gerade dort häufig die größeren Welse finden. Sie haben dann nämlich Rapfen, Lauben und je nach Gewässer auch Meeräschen auf dem Speiseplan - und diese finden sie nun einmal genau dort.

Wird das Wasser über 25 Grad warm, nimmt die Sauerstoffsättigung rapide ab. Hier lohnt das Angeln dann nicht mehr.

Kein Sauerstoff

Wenn im Sommer die Wassertemperaturen über 25 Grad steigen bringt das Angeln in strömungsberuhigten Bereichen keine großen Fangerfolge mehr, denn die Sauerstoffsättigung geht ab 25 Grad komplett in den Keller und fast alle Fische meiden dann diese Bereiche.

Ich suche immer nach Unregelmäßigkeiten im monotonen Strömungsverlauf. Die Rückströmungen oder die Strömungsschatten sind immer interessante Spots.

Sucht nach Rückströmungen

Ich suche in der monotonen Steinpackungen gezielt nach kleinen Rückströmungen oder Unregelmäßigkeiten im Strömungsverlauf. Diese Bereiche sollten eine Mindestwassertiefe von etwa 2 m haben. Ist das Wasser direkt an der Packung deutlich flacher habe ich dort in der Vergangenheit immer eher schlecht gefangen.

Ein ausreichend motorisiertes Schlauchboot ist das Arbeitsgerät Nummer eins beim Welsangeln an großen Flüssen.

Das Arbeitsgerät

Finde ich am steinigen Ufer keine Möglichkeit meine Liege vernünftig aufzustellen, greife ich gerne auf mein großes Boot zurück, welches ich dann als Basislager benutze. Das in meinen Augen wichtigste Arbeitsgerät ist aber eindeutig ein vernünftiges Schlauchboot in Verbindung mit einem Benzinmotor. Dieser muss nicht riesig sein! Ab 5 bis 6 PS kann man problemlos seine Ruten im Strom ablegen und sich auch bei Hochwasser fortbewegen. Solltet ihr aber das Schlauchboot auch zum Moven und Bewegen eures Tackles benutzen wollen, so empfehle ich eher 10 PS aufwärts.

Jetzt möchte ich euch erklären, wie ich meine Spots anfisch.

Die Theorie

Ich habe einen aussichtsreichen Spot in der monotonen Steinwüste gefunden. Jetzt möchte ich euch erklären, wie ich solche Plätze effektiv anfische. Rapfen, Lauben oder auch Meeräschen sind Fische, die man im Mittelwasser und an der Wasseroberfläche antrifft. Deshalb solltet ihr auch eure Köder in diesen Gewässerschichten präsentieren.

Ich fixiere zunächst einen weiteren Rutenständer etwas oberhalb meines Spots in der Steinpackung.

Der Rutenhalter-Trick

Hierzu verwende ich am liebsten einen ca. 3 bis 4 m langen Stock. Diesen setze ich quer zur Strömung in die Steinpackung. Ich benutze hierfür gerne einen zusätzlichen Rutenhalter. Den Rutenhalter verkeile ich etwas oberhalb meines Spots zwischen den Steinen am Ufer.

Nun lässt sich der Stock deutlich einfacher und vor allem stabiler in der Steinpackung setzen.

Der Stock

Nun stecke ich einfach den Stock in den Halter. Mit dem Rutenhalter hält der Stock deutlich besser und es ist zudem für uns auch leichter den Rutenhalter in der Packung zu fixieren.

Ans Ende des Stocks binde ich meine Auslegerschnur.

An das Ende des Stocks knote ich ein Stück einer alten geflochtenen Hauptschnur und lege dann fest, in welcher Entfernung ich später meinen Köder präsentieren will. In das andere Ende der alten Hauptschnur binde ich eine Achterschlaufe, in die ich einen kleinen Ausleger einhänge.

Nehmt euch nun etwas Zeit, und beobachtet den Strömungsverlauf an eurem Spot ganz genau, um zu erkennen, wo der idealste Platz für eure Montage ist.

Das Wasser lesen

Nun nehme ich mir einen Moment und versuche die Strömung des Wassers "zu lesen". Denn ich will anschließend meinen Ausleger exakt so lang wählen, dass mein Köder an genau dem Punkt präsentiert wird, wo die Strömung sich beruhigt aber nicht steht. Dieses Vorgehen ist in meinen Augen immens wichtig und es erfordert etwas Übung diese Bereiche auf Anhieb zu erkennen. Diese Strömungsverläufe zeigt euch kein Echolot der Welt an.
Tipp:
Als gute Faustregel gilt: Hauptströmung nein! Stehendes Wasser nein! Sucht nach Strömungsschatten und ihr findet auch die Welse.

Mein Rig ist simpel und einfach gehalten - Ein monofiles Kombirig mit Einzelhaken und Drilling, dazu ein kleines Bleigewicht mittels Gummistopper auf dem Vorfach fixiert. Fertig.

Die Montage

Meine Montage für diese Art der Welsangelei ist recht simpel und besteht aus:
- Einem monofilen Vorfach mit ca. 160 cm Länge
- Einem Einzelhaken und einem Drilling (Dieser wird über ein kurzes Stück geflochtenes Material mit dem Einzelhaken verbunden)
- Ein recht kleines Blei mit 20 bis 50 Gramm (Dieses wird mit zwei Gummistoppern ca. 20 cm vor dem Einzelhaken auf dem monofilen Vorfach fixiert)

Bei der Dimensionierung von Hakengrößen und Vorfachdurchmesser verwende ich in dieser Situation lieber eine Nummer stärker als gewöhnlich.

Stark statt fein!

Meine Hakengröße und die Dimension des Vorfaches mache ich an meiner Ködergröße und zu erwartenden Welsgrößen fest. Hier fische ich lieber stärker als zu fein. Die Gefahr ist groß, dass ein guter Wels nach dem Biss, während der Flucht und dem Drill mit Steinen in Berührung kommt, das muss mein Vorfach dann einfach wegstecken können.
Eine Tackle Checkliste zu dem von mir im Einsatz verwendeten Material findet ihr im Anschluss an diesen Beitrag.

Hier brauch ich nicht viel zu erklären. Jedem von euch sollte klar sein, dass bei dieser Angelei eine abriebfeste Schlagschnur auf allen Rollen Pflicht ist.

Schlagschnur

Ebenfalls Pflicht bei dieser Fischerei an der Steinpackung ist die Verwendung einer Schlagschnur. Ich schalte grundsätzlich mindestens 10 bis 15 m Schlagschnur vor meine Montage um diese im Falle von Steinkontakt zu schützen.

Nun stelle ich die Tiefe ein, in der mein Köder später locken soll.

Die Präsentationstiefe

Auf meiner Schlagschnur läuft ein Karabinerwirbel und ein etwa 4 cm langes Stück Silikonschlauch. Mit Hilfe eines kleinen Stöckchens oder eines Knicklichts, welches ich als Stopper in den Silikonschlauch stecke, kann ich die Gewässertiefe, in welcher mein Köder präsentiert werden soll, einstellen.

Ein halber Schlag mit der Schlagschnur über das in diesem Beispiel verwendete Knicklicht fixiert die eingestellte Tiefe. Alternativ funktioniert hier ein kleines Stöckchen natürlich ebenso gut.

Ein halber Schlag

Zur zusätzlichen Rutschsicherung lege ich mit meiner Schlagschnur einen Halben Schlag über das Knicklicht oder alternativ über das Stopper-Stöckchen. Dies hält damit bombensicher die Positionstiefe meiner Montage. Bei einem Biss und einem kräftigen Anschlag wird das Knicklicht oder das Stöckchen in der Regel einfach herausgezogen, oder es bricht infolge des Drucks.

Und so sollte die gesetzte Montage später aussehen. Der Wirbel schaut etwas aus dem Wasser heraus. Somit habe ich auch immer eine optische Kontrollmöglichkeit der Präsentationstiefe.

In der Regel stelle ich die Tiefe so ein, dass der Wirbel von der Montage ganz minimal aus dem Wasser herausschaut. Somit arbeitet mein Köderfisch ca. 150 cm unter der Wasseroberfläche und ich habe eine optische Kontrollmöglichkeit.

Bevor ich die Rute setze hänge ich noch eine kurze monofile Reißleine in den auf meiner Schlagschnur laufenden Karabiner.

Die Reißleine

Nun schnappe ich mir den Karabinerwirbel der frei auf meiner Schlagschnur läuft. In diesen Wirbel hänge ich jetzt eine ca. 20 cm kurze, 0,40 mm starke monofile Reißleine ein. Habe ich also meine Präsentationtiefe eingestellt und meine Reißleine eingehängt, beködere ich als letzten Schritt mein Vorfach.

Zu bestimmten Jahreszeiten ist die Meeräsche am Po der Nummer Eins Köder schlechthin. So ködere ich sie an.

Der Köder

Ich versuche immer die für die Welse am einfachsten zu organisierende Nahrung anzubieten. In vielen heimischen Gewässern sind das Döbel, Alande, Rapfen oder auch Brassen. In Italien am Po sind das zu bestimmten Zeiten die Meeräschen. Wenn diese zu Tausenden im Fluss vorkommen fokussieren sich die Welse darauf und werden andere Köder manchmal sogar komplett ignorieren. Ich beködere meine Meeräschen ganz einfach mit dem Einzelhaken durch ein Nasenloch und dem Drilling im Weidloch. Selbstverständlich lassen sich aber auch Tauwurmbündel mit dieser Montage super präsentieren.

Ich setze die Stöcke in der Regel immer stromauf, so kann ich viel einfacher die Ausleger anfahren und die Ruten nach einem Biss neu ablegen.

Stöcke stromauf

Habe ich nun alles vorbereitet, fahre ich mit dem Schlauchboot und meiner Rute zu meinem in der Steinpackung gesetzten Stock.
Tipp:
Ich fische die Stöcke immer von unten nach oben, gegen die Strömung. Das hat folgende Vorteile:
1: Nach einem Bisse kommt mir der Fisch mit der Strömung entgegen und ich habe keinen Druck auf der Schnur und somit auch weniger Abrisse an scharfen Steinen.
2: Beim Auslegen, fahre ich gegen die Strömung und mein Ausleger ist immer gespannt und ich brauche mich nur abtreiben lassen.

Habe ich den Ausleger erreicht, hänge ich lediglich die Reißleine ein und lasse mich langsam stromab treiben.

Ausleger einhängen

Habe ich meinen Ausleger erreicht, nehme ich bei meinem Außenborder das Gas weg und den Gang raus und hänge meine vorbereitete Reißleine in den Karabiner des Auslegers. Dann lasse ich mich mit der Strömung langsam etwas abtreiben und wenn alles schön auf Spannung ist, setzte ich meinen Köder ins Wasser.

Nachdem ich nun den Köder ins Wasser gesetzt habe, fahre ich unter stetiger Spannung der Schnur zurück zum Basislager.

Zurück zum Platz

Ist der Köder im Wasser fahre ich mit dem Schlauchboot zurück an meinen Angelplatz. Hierbei solltet ihr darauf achten, dass die Schnur unter leichtem Druck von eurer Rolle abläuft, damit sie im Idealfall nicht die Wasseroberfläche berührt.

Jetzt kann ich die Rute in den Rutenhalter stellen und die Montage solange nachspannen, bis die gesamte Schnur aus dem Wasser herausgehoben ist.

Auf Spannung

Habe ich mein Basiscamp erreicht, stelle ich die Rute in den Rutenhalter und spanne die Schnur bis zum Stock durch. Ich spanne also solange die Schnur mit der Rolle nach, bis meine Hauptschnur von der Rutenspitze bis zum Ausleger am Stock über dem Wasserspiegel verläuft.

Gefällt mir nach dem Spannen die Präsentationstiefe meines Köders nicht mehr, so kann ich nun einfach noch einmal mit dem Schlauchboot zum Ausleger hinfahren und etwas nachjustieren.

Tiefenkontrolle

Habe ich die Tiefeneinstellung zu flach gewählt, durchbricht jetzt mein Köder die Wasseroberfläche. Habe ich die Montage zu tief eingestellt, sehe ich den Wirbel meines Vorfachs nicht mehr. Dies kann ich, wenn die Rute im Rutenhalter durch gespannt ist, nachträglich am Ausleger kontrollieren und gegebenenfalls etwas nachjustieren.

Hier hat alles gepasst und ich konnte einen schönen fetten Steinpackungsräuber abgreifen.

Wenn es der Spot hergibt, fische ich gerne zwei Montagen mit Stöcken stromauf gegen die Strömung und zwei Ruten klassisch flussab mit Unterwasserposen-Montagen.
So kann ich zum einen die Fische mit Unterwasserposen Montagen beangeln, die in der Steinpackung grundnah abliegen und zum anderen nachts die Fische abpassen, die in der Steinpackung aktiv im Mittelwasser und an der Oberfläche jagen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachmachen und viel Erfolg beim Ausprobieren

Euer Benjamin Gründer

Bewerte diesen Beitrag
Durchschnittliche Bewertung: 5 Sterne
    Wichtigste Produkte des Beitrags
  • Rod Stand Basic
    Rod Stand Basic
    49,95 €
    • Rutenständer aus pulverbeschichtetem Stahl
    • Sicherer & aufrechter Stand der Welsrute beim Ansitzangeln
    • Inkl. Rückschlagschutz der automatisch beim Aufnehmen der Rute aufklappt
    • Schnelles Aufnehmen der Rute
    Zum Produkt
  • HR 20
    HR 20
    249,95 €
    • Spezielle Auslegefunktion
    • Ausschaltbare laute Ratsche
    • Innovative hängende Multirolle
    • Schnurfassung: 450 m / 0,55 mm
    Zum Produkt
  • Outrigger Light Black
    Outrigger Light Black
    4,95 €
    • Leichter Ausleger für weite Distanzen
    • Inkl. 2 Breakline Snaps
    • Sehr stabil & haltbar
    • Reflektorband zum Auffinden in der Nacht
    Zum Produkt