Kategorien
Zanderjiggen am Kanal - Tipps und Tricks zum Stachelritterangeln
Der Zander hat den Gummifisch beim Jiggen komplett inhaliert.

In den vergangenen Jahren gewann das Angeln mit Kunstködern wie Gummifisch, Wobbler und Co. mehr und mehr an Bedeutung – so auch hier bei mir am Kanal. Durch den stetig höher werdenden Angeldruck und immer mehr Angler an meinen Gewässern war ich oft gezwungen, andere und neue Wege zu gehen, um beim Angeln konstant erfolgreich zu bleiben. In der Folge möchte ich euch gerne meine persönliche Angelei auf die Kanal-Zander etwas näherbringen und euch zeigen, wie ich vorgehe und mit welchem Tackle ich fische.

Zum Jiggen verwende ich idealerweise eine Rute mit einer Länge von 2,40 bis 2,70 m und etwa 50 g Wurfgewicht mit einer schnellen Aktion.

Zum Tackle

Grundsätzlich bieten sich zum Jiggen am Kanal Ruten mit einem Wurfgewicht bis etwa 50 g und einer Länge von 2,40 bis 2,70 m an. Eine schnelle und straffe Aktion der Rute ist eine gute Voraussetzung, da diese dafür sorgt, dass der Kontakt über die Schnur zum Köder direkt übertragen und somit eine bessere (genauere) Köderführung ermöglicht wird. Ich persönlich verwende gerne die Peak JG 1 und JG 2.
Eine Tackle Checkliste zu meinem bevorzugten Material findet ihr unten im Anschluss an den Bericht.

Ich verwende zum Jiggen eine qualitativ hochwertige, geflochtene Schnur mit einem Durchmesser von 0,16 bis 0,20 mm.

Welche Hauptschnur?

Eine passende Rolle zur Rute in der Größe 2.500 (oder 3.000) ist ideal. Diese sollte mit einer hochwertigen geflochtenen Schnur mit einem Durchmesser von 0,16 bis 0,20 mm gefüllt sein. Da geflochtene Schnüre keine Dehnung aufweisen, wird jeder Grundkontakt und jeder Zupfer am Gummifisch während der Köderführung sicher in die Rute übertragen.
Info: Bitte von den Durchmesserempfehlungen der Schnur nicht verunsichern lassen. Die meisten Geflochtenen sind im Fachhandel im Vergleich zu einer Momoi nicht selten bis zu 50 % dicker als angegeben.

Wichtig beim Zanderangeln ist ein langes Fluorocarbon Vorfach um unsere dünne, geflochtene Hauptschnur zu schützen.

Passendes Vorfach

Zusätzlich benötigt ihr beim Jiggen am Kanal noch ein circa 80 bis 120 cm langes Fluorocarbon-Vorfach in einer Stärke von 0,33 bis 0,40 mm. Dieses ist deutlich abriebfester als unsere geflochtene Hauptschnur. Benutzt ihr zum Angeln kein Vorfach, kann man schon mal ein paar Köder in der Steinpackung lassen. So schnell könnt ihr den Grund gar nicht fühlen, wie eure Gummifische sich schon zwischen die Steine festgesetzt haben.

Der Egg Snap bietet dem Gummifisch beim Zanderangeln maximale Bewegungsfreiheit.

Starke Verbindungen

Um euer Vorfach mit der Hauptschnur zu verbinden, könnt ihr beim Zanderangeln zum Beispiel einen kleinen Micro Ring oder einen Verbindungsknoten benutzen.
Tipp:
Wenn ich zum Angeln keinen Ring verwende, benutze ich gerne einen Albright-Knoten, um meine Hauptschnur mit meinem Vorfach zu verbinden. Am unteren Ende des Vorfachs knote ich mit einem Clinch-Knoten einen passenden Egg Snap Karabiner an. Dieser bietet meinem Gummifisch oder jeglichen anderen Ködern die Möglichkeit, sich während des Jiggens möglichst frei, natürlich und verführerisch zu bewegen.

Mit Gummifischen in diesen Farb- und Größenvarianten bin ich beim Zanderangeln häufig gut gefahren.

Köder - Größe und Farbe

Die Gummifische, die ich zum Jiggen verwende, sind zwischen 4 und 5 Inch lang. Jiggköpfe zwischen 7 und 18 g mit Haken der Größe 1/0 bis 3/0 haben sich ebenfalls beim Angeln bewährt. Aufgrund der Hängergefahr fische ich zumeist ohne Angstdrilling. Wenn die Zander zwar gut aber spitz beißen, benutze ich auch gerne Haken der Größe 4/0 für 5 Inch Dudes. Mit den drei Grundfarben Grell (Schockfarben), Natürlich und Dunkel ist man beim Jiggen am Kanal gut beraten und kann schnell am Wasser reagieren.

Wichtig! Beim Zander Jiggen immer zuerst den Uferbereich parallel entlang der Steinpackung abfischen.

Parallel zur Steinpackung

Da es an meinem Kanal nur einen relativ kurzen, ins Gewässer hineinreichenden Uferverbau (Steinpackung) gibt, lohnt es sich oftmals zuerst den näheren Uferbereich abzujiggen. Häufig überwirft man die Zander, die direkt auf der ersten Kante vor unseren Füßen stehen.
Info: Besonders in der Abenddämmerung und in den ersten Stunden der Dunkelheit kommen die Zander teilweise extrem nah ans Ufer heran und lassen sich dort quasi direkt unter der Rutenspitze vom Angler abgreifen.

Beim Absinken des Gummifischs an gestraffter Schnur lege ich den Finger an die Schnur, damit ich jeden Biss sofort bemerke.

Nach dem Wurf

Manchmal kommt es bei der Köderführung beim Zanderangeln auf Nuancen an! Nach dem Auswerfen in Fließrichtung (muss nicht zwingend Strömungsrichtung sein) lasse ich den Köder mit geschlossenem Rollenbügel an gestraffter Schnur und hochgehaltener Rute absinken. Während dieser ersten Absinkphase lege ich immer einen Finger an die Schnur, um so auch schon die feinsten Zupfer mitzubekommen, für den Fall, dass ein Fisch bereits jetzt den Köder nimmt. Bei sehr geringer Strömung kann der Kontakt zum Gummifisch recht schwach ausfallen, sodass ihr stark fokussiert und konzentriert fischen müsst.

Das Faulenzen ist eine sehr effektive Köderführung, wenn die Zander eher passiv am Gewässergrund stehen.

Die Faulenzer Methode

Um meine abgeänderte Köderführung zu verstehen, solltet ihr zunächst einmal die Faulenzer Methode (umgangssprachlich auch das "Faulenzen" genannt) beherrschen. Dies ist eine Form des Jiggens, bei der der Gummifisch mit ein bis zwei schnellen Kurbelumdrehungen vom Grund angehoben wird. Die Sprünge des Köders entstehen lediglich durch die Kurbelumdrehungen der Rolle. Die Rutenspitze bleibt beim eigentlichen Faulenzen immer in der gleichen Position. Die Bisse kommen in den allermeisten Fällen in der kurzen Absinkphase des Gummifisches. Gerade Anfänger haben beim Faulenzen eine sehr gute Köderkontrolle und Bisserkennug.

In der Ruhe liegt die Kraft - häufig sind die Zander eher gemütlich am Grund unterwegs und wollen keine hektisch geführten Gummifische.

Halb gejiggt – halb gefaulenzt

Oft verändere ich das Faulenzen etwas, um flexibler auf die jeweilige Angelstelle und das Beißverhalten der Zander reagieren zu können. Bei dem Ankurbeln des Köders reiße ich gleichzeitig die Rute nach oben. So steigt der Gummifisch schneller und steiler vom Grund auf. Gerade beim Fischen über Steinen (Stichwort Steinpackung) minimiert das die Hängergefahr. Die Absinkphase beeinflusse ich ebenfalls über die Rute. Beim Anheben der Rutenspitze verlangsamt sich die Sinkgeschwindigkeit des Köders (wegen der strafferen Schnur), während sie sich beim Absenken erhöht (lockere Schnur = freier Fall).

Der Jig Kopf des Gummifischs sollte so leicht wie möglich gewählt werden - stetiger Grundkontakt beim der Köderführung ist aber essentiell.

Der Jig Kopf

Auch hier am Kanal gilt die allseits bewährte Faustformel: „So leicht wie möglich, aber nur so schwer wie nötig“ angeln. Es ist sehr wichtig, dass der Grundkontakt über die Rute stets gegeben ist! Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Gummifisch überanimiert wird. D. h. der Köder wird beim Anjiggen zu schnell vom Grund hochgerissen und verschwindet somit aus dem Sichtfeld der Zander.
Info:
Selten werdet ihr zum Zanderangeln am Kanal Jigköpfe benötigen, die schwerer als 18 g sind, doch auch das kann bei starker Strömung gelegentlich vorkommen.

Am Ende des Tages sollte natürlich beim Zanderangeln immer der Spaß im Vordergrund stehen!

Spaßfaktor ist wichtig

Grundsätzlich bleibt mir noch zu sagen, dass es zum einen sehr wichtig ist, dass ihr beim Zander Jiggen konzentriert bei der Sache seid, denn nur so könnt ihr auch die vorsichtigen Bisse der Fische erkennen. Zum anderen soll das Angeln aber vorrangig Spaß machen. Es soll vor allem eine aktive Abwechselung zum monotonen Einleiern anderer Köder darstellen. Und mit etwas Glück lassen sich dabei ein paar schöne Stachelritter mit der Gummifischrute aus dem Wasser locken.

Ein schöner großer Kanal-Zander darf zurück ins Wasser. Hier hat sich die Ausdauer beim Jiggen gelohnt.

Und wenn dann endlich der ersehnte "Tock" eines großen Kanalzanders durch eure Rute geht, wisst ihr genau, dass sich all die Mühen und unzähligen Würfe ausgezahlt haben. Dann werdet auch ihr verstehen, warum so viele Angler dem Gummifisch Jiggen verfallen sind.

Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg beim Ausprobieren

Euer Martin Becker

Bewerte diesen Beitrag
    Wichtigste Produkte des Beitrags
  • Peak JG 1
    Peak JG 1
    249,95 €
    • Länge: 270cm
    • Ideales Ködergewicht: 15 - 50g
    • Transportlänge: 140cm
    • Toleranzgrenze Ködergewicht: 60g
    Zum Produkt
  • Dude 4 Inch | 10,2 cm
    Dude 4 Inch | 10,2 cm
    5,95 €
    • In 16 Farben erhältlich
    • Schaufelschwanz
    • Packungsinhalt: 7Stück
    • Keine giftigen Weichmacher (frei von BPA & Phtalat)
    Zum Produkt
  • Momoi Ryujin 0,181 mm | Orange | 150 m
    Momoi Ryujin 0,181 mm | Orange | 150 m
    37,95 €
    • Extrem weich
    • Sehr enge Flechtung
    • Flechtung: 8-fach
    • Tragkraft: 8,2kg
    Zum Produkt